Das Auto ist das Spielzeug der Männer, aber manchmal mag es so aussehen, als wären die Männer das Spielzeug der Autos. Auf diesen einfachen Grundgedanken könnte man "Transformers" bringen, den neuen Film von Michael Bay. Im größten Action- und Effektspektakel dieses Sommers geht es um Spielzeug auf galaktischer Ebene. Während die Menschen in Kalifornien ihren üblichen Tätigkeiten nachgehen - etwa mit dem Auto gen Sonnenuntergang die Küste entlang düsen -, trägt sich auf ihrer alten Erde ein Gigantenkampf zu, der irgendwann auch den regulären Erdenbewohnern nicht mehr entgehen kann: Die "Transformers" sind Roboter aus den Tiefen des Weltraums. Sie tarnen sich bevorzugt als Autos, manche leben aber auch unerkannt als Telefonzelle oder als Mobiltelefon unter uns. Zufällig befindet sich auf dem blauen Planeten das wichtigste Stück für ihr Fortbestehen - ein riesiger Würfel, dessen Energie entweder die Macht der bösen Transformer für alle Zeiten sichern wird, oder aber die guten Transformer gewinnen diesen Endkampf und sichern so auch den Fortbestand des kalifornischen Lebensstils der Erdenmenschen.Was wie eine ebenso verwegene wie verblasene Idee für einen typischen Hollywood-Blockbuster klingt, hat in Wahrheit eine plausible Geschichte. Der Film "Transformers" kommt aus jenem Paralleluniversum, zu dem das amerikanische Kino seit langer Zeit immer intensivere Beziehungen aufbaut: Spielzeug, Comic, Zeichentrickserie und Computerspiele. Unter den Spielzeugfiguren zählt zu den wichtigsten Transformers vor allem der heldenhafte Optimus Prime, seit den 80er-Jahren bekannt und begehrt. Seither gab es alle möglichen weiteren kommerziellen Auswertungen der Transformer-Idee. Der Film von Michael Bay sammelt nun all die Früchte dieses geschäftlichen Engagements und treibt sie zugleich in neue Dimensionen vor. Denn "Transformers" ist letztendlich ein Triumph des Kinos über seine benachbarten Industrien - Synthese siegt gegen Synergien.Damit es soweit kommen kann, muss der Held erst einmal sein Spielzeug finden. Sam Witwicky (Shia LaBeouf) soll von seinem Vater als Geschenk ein Auto bekommen. Das stinkende gelbe Gefährt, das sich beim Gebrauchtwagenhändler wie von selbst aufdrängt, entwickelt schon bald ein Eigenleben, und irgendwann gibt es sich zu erkennen, indem es sich entfaltet, also "transformiert": Das Auto ist ein Roboterheld und soll Sam in den Kampf gegen die negativen Transformer führen. Denn Sam ist im Besitz einer alten Brille, die sein Großvater, ein Polarforscher, vor Zeiten im ewigen Eis verloren hat.Nur mit einem Blick durch die zerbrochene Brille kann man den Würfel finden, der irgendwo auf der Erde verborgen ist. Für ein Spektakel nach Art der "Jäger des verlorenen Schatzes" hat Michael Bay aber nicht viel übrig. Er nimmt sich lieber die Zeit für ausführliche komische Sequenzen. In "Transformers" ist alles ein wenig unverhältnismäßig, und wenn fünf sattelschleppergroße Roboter sich im Garten eines Einfamilienhauses verstecken müssen, dann bleibt der Rasen natürlich nicht ganz unversehrt.Problemlos funktioniert die Vermenschlichung der technischen Ungetüme: Eine kleine Schar sammelt sich um den naiven Helden Sam, der auch noch eine atemberaubende und zudem leichtbekleidete Mechanikerin beigesellt bekommt. Und so bewegt sich der wilde Haufen zuerst zum Hoover-Staudamm und schließlich nach Los Angeles, wo "Transformers" zu einem langen Finale ansetzt, das sich mit Peter Jacksons "King Kong" und Sam Raimis "Spider Man" messen kann und zugleich ganz eigene Bedingungen setzt. Eine enorme Materialschlacht tobt hier über die Menschen hinweg; nur Sam und seine Gefährtin Mikaela (Megan Fox) vermögen selbst einzugreifen. Der Genusswert (man könnte auch sagen: Eskapismus) von "Transformers" liegt darin, dass hier in ganz großem Stil in der dichten Architektur einer Metropole wie Los Angeles gewütet wird, ohne dass auch nur eine Sekunde lang der Gedanke an eine Allegorie auf terroristische Bedrohungen auftaucht. Die Menschen sind hier strikt Publikum - konsequenterweise vermeidet Michael Bay in dem Inferno auch nur die Andeutung eines Todesopfers. Oder sie sind, in ganz wenigen Ausnahmen, Helden. Als Helden aber sind sie Spielzeuge in einem Spektakel, in dem die ganze Erde zu einem Kinderzimmer wird.Michael Bay ("Armageddon") hat schon verschiedentlich den Planeten Erde gerettet; er ist der Hollywood-Regisseur, der im Grunde auf dieses Genre spezialisiert ist. "Transformers" bringt das Grundmotiv der Superheldengeschichten mit vollendeter Konsequenz zur Anwendung: Sie sind im wörtlichen Sinn "größer als das Leben". Deswegen ist es auch nutzlos, den Film an seinen Menschenfiguren zu messen, die wie immer bei Michael Bay kaum über den Status beweglicher Abziehbilder hinauskommen. Bays lächerliches Menschenbild ist die Kehrseite seiner nicht minder lächerlichen Vermenschlichung der Technik. In "Transformers" entsteht daraus aber nicht, wie in seinen früheren Filmen, das potenziert Lächerliche, sondern ein faszinierender höherer Blödsinn, in dem das gesamte Blockbuster-Genre eine beispielhafte Ausprägung annimmt.------------------------------TransformersUSA 2007. 143 Minuten, Farbe.Regie: Michael Bay; Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman; Kamera: C. Mitchell Amundsen; Produktionsdesign: Jeff MannDarsteller: Shia LaBeouf, Tyrese Gibson, Josh Duhamel, Anthony Anderson, Megan Fox, John Turturro, Jon Voight, Kevin Dunn u. a.Ab heute in den Kinos.Weitere Kinokritiken unter:www.berliner-zeitung.de/kino------------------------------Foto: Gute schulische Leistungen in Physik und Sport zahlen sich aus: Sam Witwicky (Shia LaBeouf) beweist es.