Berlin - Vom alten "Rostkreuz" ist in der künftigen Ringbahnhalle nichts mehr zu spüren. Wo sich einst die Fahrgäste auf einer schmalen, holprig gepflasterten Plattform drängen mussten, ist ein weitläufiger neuer Bahnsteig im Bau. Er ist mit bis zu 38 Metern fast vier Mal so breit wie der alte. Als Wetterschutz ist eine 15 Meter hohe Halle entstanden - auch das hat es im oberen Teil des Ostkreuzes nicht gegeben. Langsam wird spürbar, was der vor fünf Jahren begonnene Umbau des Knotenpunkts den Fahrgästen bringen wird. Doch bis dahin müssen die Reisenden einiges ertragen - unter anderem eine 16-tägige Sperrung des Ostrings und eine vier Jahre dauernde Verkürzung der Linie S 3.

Projektleiter Mario Wand ist zufrieden. "Die Halle steht", sagt der Ingenieur von der Deutschen Bahn (DB) Projektbau. Die Glasscheiben, die Licht hineinlassen, sind montiert. Nun wird an der Abdeckung gearbeitet. Zwar ist die Halle nicht so groß wie anfangs geplant. Um zu sparen, hatte die DB beschlossen, dass sie nur 132 Meter lang sein soll. Der S-Bahnsteig misst dagegen 152,5 Meter, damit Acht-Wagen-Züge halten können. Doch für Wand ist das aktuelle Hallenmaß kein Problem. Zum einen fahren auf dem Ring heute nur Sechs-Wagen-Züge, zum anderen seien alle Treppen überdacht - so, wie es geplant war.

"Kaskade von Streckensperrungen" als Alternative

Mitte April 2012 soll die Fertigstellung der Halle, die auch zwei Aufzüge zu den Ausgängen erhält, gefeiert werden. Dann werden alle S-Bahnen auf dem Ring unter dem Dach aus Stahl und Glas halten. Doch zuvor kommt es für die Fahrgäste noch einmal ganz dicke. Vom 31. März bis 16. April fahren zwischen Schönhauser Allee und Treptower Park keine S-Bahnen, damit Gleise und Sicherungstechnik angeschlossen werden können. "Wir muten den Fahrgästen einiges zu", sagt Wand. Doch die Alternative zur langen Unterbrechung wäre eine weitere "Kaskade von Streckensperrungen" - was noch schlimmer wäre.

Nicht 16 Tage, sondern rund vier Jahre soll eine weitere Verkehrseinschränkung dauern. Wie berichtet werden die Züge der S 3 vom 11. Dezember dieses Jahres bis Ende 2015 nur zwischen Erkner und Ostkreuz verkehren. Wer weiter fahren will, muss umsteigen und steile Treppen erklimmen. Wer das nicht kann, muss einen Umweg über Nöldnerplatz nehmen. Weil die DB den Abschnitt Ostkreuz-Ostbahnhof umbaut, wobei der S-Bahnhof Warschauer Straße wieder ein Empfangsgebäude erhält, ist für eine der vier S-Bahn-Linien kein Platz mehr.

Ende 2016 soll das neue Ostkreuz fertig sein. Doch ob dann wie geplant auch die Regionalexpresszüge nach Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus dort halten werden, ist ungewiss. Für den Ausbau der dafür vorgesehenen Strecke, die an der Karlshorster Straße näher an die Wohnhäuser heranrücken soll, fehlt weiterhin das Baurecht. 2011 muss die Genehmigung kommen, damit sich der Plan noch einhalten lässt.

Berliner Zeitung, 23.09.2011