Er gilt als "einer der letzten großen Melodramatiker des europäischen Autorenkinos" - dieses Prädikat unbekannten Ursprungs findet sich im Zitatenschatzkästchen zu Werner Schroeter. Auch als "der größte unter den marginalen deutschen Filmemachern" ist schon Schroeter bezeichnet worden, in diesem Fall von dem Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser. Der Regisseur, der am 7. April 2010 seinen 65. Geburtstag wird feiern können, schuf bisher über 70 Opern- und Theaterinszenierungen, in Berlin zuletzt "Antigone/Elektra", für die Agora der Volksbühne im vergangenen Sommer. Außerdem gilt er neben Fassbinder, Kluge und Herzog als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Nachkriegsfilms; zu seinen gut 35 Spielfilmen gehören "Palermo oder Wolfsburg", der Berlinale-Gewinner von 1980, "Malina" (1990) nach Ingeborg Bachmanns gleichnamigem Roman sowie "Diese Nacht - Nuit de chien", womit er 2008 zu den Filmfestspielen von Venedig eingeladen war und dort mit dem Sonderpreis der Jury für sein "innovatives, kompromissloses und oft provokantes" Gesamtwerk geehrt wurde.Kaum bekannt war bisher, dass Schroeter seit Langem auch fotografiert: Landschaften, Stillleben, vor allem aber Porträts von Menschen, mit denen er zusammenarbeitet. Er hat seine Aufnahmen von Isabelle Huppert oder Carole Bouquet wie nebenbei entstehen lassen, losgelöst von seinem jeweiligen Projekt, mit einfach nutzbarer Technik wie Polaroid- oder auch Wegwerfkameras - was die Aura des Unikats betont, gleichzeitig aber sehr reduzierter wirkt als der opulente Expressionismus seiner Filme. Seit 1973 werden diese Arbeiten von dem Kunsthändler Christian Holzfuss dokumentiert; als suggestiv leuchtende C-Prints sind sie nun im Haus am Lützowplatz zu sehen.------------------------------Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, bis zum 28. Februar. Di-So 11-18 Uhr; geschlossen am 31. 12., geöffnet am 1. 1. 2010.------------------------------Foto (2): Sehnsuchtsblick in die Ferne: "Estoril" (2007) und "Carole Bouquet, Prag 1981" von Werner Schroeter.