Es ist diese Größe, diese weiten Flure, die 37 Etagen, weshalb sich Ute Schönhoff so für dieses Haus begeistert. Sie nennt es "die Magie der 1000 Zimmer", wenn sie über ihre Arbeit als stellvertretende Empfangschefin in Deutschlands zweitgrößtem Hotel spricht, dem Park Inn am Alexanderplatz. Denn täglich müsse man diese tausend Zimmer neu bezwingen, sagt sie. Und meint damit, dass die Gäste die Freundlichkeit der Mitarbeiter schätzen und sich trotz der Größe des Hauses individuell umsorgt fühlen sollen. Das Park Inn feiert heute seinen 40. Geburtstag. Es wurde am 7. Oktober 1970, damals noch unter dem Namen Interhotel Stadt Berlin, eröffnet.Ute Schönhoff war bei der Eröffnung noch nicht dabei, arbeitet aber schon seit 1984 in dem Hotel und hat dort ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. "Es war schon der Mercedes unter den Hotels in Berlin", sagt sie. Anders als in den Devisenhotels Metropol oder im Palast-Hotel wurde hier mit DDR-Mark bezahlt. Vor allem Busreisegruppen aus Osteuropa steuerten den Hotelriesen an. Aber auch Künstler und Musiker wie Udo Jürgens, James Brown und Bryan Adams logierten hier - meist auf Einladung der Künstleragentur der DDR, weil die Agentur in der Landeswährung bezahlen konnte. Beliebt waren auch die Restaurants, etwa die rustikale Zillestube, die Bierbar und die höchste Nachtbar Ost-Berlins in der 37. Etage.Um in den Lokalen einen Platz zu ergattern, musste man als Berliner viel Glück haben, ohne Reservierung oder langes Warten ging wie in den meisten Restaurants in Mitte meist nichts. Dafür mangelte es auf der Speisekarte an nichts: Das Vorzeigehotel am Alexanderplatz und seine Restaurants wurden bevorzugt beliefert. Zum Jubiläum bietet die Zille-Stube bis Sonntag noch einmal die klassischen Speisen zu Preisen wie vor 40 Jahren an - gebratene Forelle mit Champignons etwa, Wildschweingulasch oder Schweinefiletmedaillons.Mit dem Mauerfall änderten sich die Hotelgäste. Immer mehr Touristen kommen inzwischen aus Skandinavien, Frankreich und Holland. Verkaufsleiterin Martina Menzel hat Anfang der 90er-Jahre viele Führungen durchs Haus gemacht, auch für Geschäftsleute in Nadelstreifenanzügen, die ihre Vorurteile mitgebracht hatten. Obwohl die Zimmer nach der Wende renoviert worden waren, hörte sie oft Kommentare wie "typisch Osten". Ob es sie geärgert hat? "Wenn man mit dem Herzen dabei ist, fällt es einem auch dann leicht, nett und freundlich zu sein", sagt sie.Hotelchef Thomas Hattenberger kennt diese Geschichten, der Österreicher leitet seit Frühjahr 2008 das Haus. Und er ist zufrieden, dass die Auslastung der Zimmer bei fast 84 Prozent liegt und trotz der vielen Mitbewerber zu den besten der Stadt zählt. Warum ist das Haus so erfolgreich? "Es ist die Top-Lage mit Blick auf den Fernsehturm und das Rote Rathaus - man kann eine Stadtrundfahrt vom Hotelzimmer aus machen", sagt er. Deshalb sorgt es ihn auch nicht, dass in den vergangenen Jahren rings um den Alexanderplatz mehr als ein Dutzend neue Hotels eröffnet haben oder gerade im Bau sind. "Das Park Inn ist selbst schon ein Wahrzeichen der Stadt", sagt er. Und er ärgert sich, dass der Alex trotz neuem Pflaster noch immer dreckig wirkt.Inoffizielles Maskottchen des Hotels ist ein kleiner Waschbär, den die Mitarbeiter Alex nennen und der seit Jahren im Parkhaus umherstreunt. "Natürlich habe ich ihn schon gesehen", sagt Managerin Katrin Lange. Ab und zu würden Gäste nach ihm fragen.------------------------------Kofi Annan und Karel GottDas Hotel Park Inn am Alexanderplatz wurde am 7. Oktober 1970 als "Interhotel Stadt Berlin" eröffnet. Es war mit 123 Metern das höchste Gebäude der DDR und ein Renommeeprojekt der Regierung bei der Neugestaltung des Ost-Berliner Zentrums. Mit rund 460000 Übernachtungen pro Jahr sollte das Interhotel etwa 50 Prozent der Übernachtungen in der Hauptstadt abdecken. Das Haus verfügte damals über 1006 Zimmer.In der 40-jährigen Geschichte des Hotels übernachteten dort mehr als 100 Millionen Gäste aus über 80 Ländern. Begrüßt wurden auch prominente Gäste aus Politik und Showbusiness. Darunter waren der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, Prinz Alexander von Belgien aber auch die Sänger Udo Jürgens und Karel Gott. In dem Hotel wurden bis zur Wende in jedem Frühjahr auch die Teilnehmer der Friedensfahrt einquartiert.Nach dem Mauerfall hieß das Hotel zunächst Forum Hotel Berlin, später dann Park Inn. Zwischen 2001 und 2006 wurden die Zimmer, Restaurants sowie die Fassade für mehr als hundert Millionen Euro umfassend modernisiert. So verfügen fast alle Zimmer über Marmorbad und Fußbodenheizung, die alte Fassade wurde durch 6800 verspiegelte Glasscheiben ersetzt.Auf dem Dach wurden im Oktober 2006 zwei 35 Meter hohe Masten für Antennen montiert. Somit beträgt die Höhe samt Aufbauten nunmehr fast 150 Meter, es ist das höchste Hotel Deutschlands und das höchste Haus der Stadt. In 128 Metern Höhe gibt es eine Dachterrasse.1012 Zimmer und Suiten hat das Hotel heute. Laut Internetplattform Hotels.com gehört es zu den zehn beliebtesten Hotels in Berlin. Eingestuft ist es vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband als Vier-Sterne -Superior-Hotel. Eigentümer ist der amerikanische Finanz-Investor Blackstone.------------------------------Foto: Langjährige Mitarbeiterinnen: Katrin Lange, Martina Menzel, Ute Schönhoff (v.l.).