Der Freiheit wird zu Recht gehuldigt. Reden von der Freiheit handeln zwar meist von ihren Grenzen. Oft wird das Wort auch nur zweckdienlich herumgetragen, bis es abgegriffen klingt. Da ist es bezeichnend, dass in der vergangenen Woche gerade das Humboldt-Forum Wirtschaft das Verständnis für Freiheit neu schärfen wollte - in einer Gesellschaft, die benennt, dass das Freisein Preise kennt.Das Symposium erkundete die "Ökonomie der Freiheit", nicht nur umgekehrt die Freiheit der Ökonomie, die zur Zeit viele als Weg und Ziel allen Gemeinwohls preisen. Trotzdem lag in dieser Verknüpfung der Freiheit, die das Offene, und der Ökonomie, die das Kalkulieren meint, eine Provokation. Teilweise lag sie auch im Stil der Veranstaltung. Deren Organisatoren - meist Wirtschaftsstudenten, dazu Professoren, Unternehmer und Journalisten - legten sichtbar Wert darauf, dem Tag Glanz zu geben. Den Präsidenten der EU-Kommission, Romano Prodi, warben sie als Schirmherrn, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse als Eröffnungsredner, viel weitere Prominenz für ihre Diskussionen. Sie druckten teure Broschüren, entrollten einen roten Teppich, große Firmen spendeten außer Reklame gutes Essen. Zeigte das Freiheit? Oder Ökonomie?In den Sektionen blieb dann vieles im Altbekannten hängen. Bei der Debatte über den Kulturmarkt sagten die Kunstliebhaber, etwa der Senatskanzleichef André Schmitz, der Kulturetat sei trotz der Finanznot Berlins eher zu klein, da Kultur Bildung und also Freiheit sowie der Stadt Attraktivität bringe, während zu viel Sponsoring die Kulturfreiheit erschwere. Charles Blankart, Professor für Öffentliche Finanzen an der Humboldt-Universität (HU), monierte, nur wenige Leute besuchten die Hochkultur, die sich zudem nicht selbst finanziere. Auch bedeute Ökonomie mehr Effizienz, mit ihr werde mehr Freiheit - auch der Kunst - bezahlbar. Die Privatfinanzierung von Wissenschaft und Lehre sei für deren Freiheit unproblematisch, erklärte später auch der Rektor der HU, Jürgen Mlynek, "solange beide Seiten gewinnen".Letztlich litt das Symposium vor allem unter einem Definitionsproblem. "Ist Freiheit das unbegrenzte Produzieren, Verdienen und Konsumieren? Ist sie gar das Recht, andere beschränken zu dürfen, etwa durch Zuwanderungsrestriktionen?", fragte daher Michael Burda, Professor für Wirtschaftstheorie an der HU, bei der Debatte über die Wende in Osteuropa.Gerade die Wende wird oft als Freiheitsgewinn erklärt, auch auf dem Symposium. Sie habe rechtlich gesicherte Freiheit gebracht, erklärte Christoph Zöpel, Staatsminister im Auswärtigen Amt. Dass Parlamentarismus und Marktwirtschaft dennoch auf Distanz stoßen, spiegele das Dilemma, dass der "Aufbruch aus der Unfreiheit" mit dem Verlust scheinbar "klarer Orientierungen in geschlossenen Gesellschaften" bezahlt werden musste, sagte Diether Gebert von der Technischen Universität Berlin.Gegen derlei Missmut will Christoph Stölzl, der designierte Parteichef der Berliner CDU, nun rüsten. "Freiheit ist stets der Sprung über die Hürde des Vollkasko-Denkens", munterte er auf. Das "Eintrittsbillett in die Freiheit" sei nur durch Leistung, ein "beherztes Zugreifen des Einzelnen" und eine "Zerlegung des Molochs Staat" zu erringen. Stölzls Botschaft vom "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" hatte Wolfgang Thierse schon am Morgen kritisiert: Freiheit sei nicht naturgegeben, sie müsse ständig hergestellt werden für alle: "Für einzelne Unternehmens wirkt der Sozialstaat vielleicht nicht effektiv, für die ganze Gesellschaft ist er es doch."BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER Viele Menschen sehen im Konsumieren einen Ausdruck ihrer Freiheit.