BERLIN, 5. Oktober. Er zählt zu den umstrittensten Themen der deutschen Sportpolitik, dieser Goldene Plan Ost, der die maroden Sportstätten des Ostens auf Westniveau bringen soll. Ein seit vielen Jahren heftig umkämpftes Mammut-Milliarden-Projekt.Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), hatte sich zum Ziel gesetzt, im Bundesetat eine feste Position für die Sanierung von Sportstätten zu verankern. "Damit bin ich gescheitert", musste Richthofen vor einem Jahr zugeben, obgleich er das Thema doch "in über 300 Reden" angeschnitten hatte und aufgrund seiner parteipolitischen Präferenzen beste Kontakte zur alten Bundesregierung unterhielt.Eines aber war Richthofen und seinen DSB-Sportgenossen in der Ära Kohl gelungen: Auf Druck des Oggersheimers konnten die ostdeutschen Ministerpräsidenten verpflichtet werden, den Sportstättenbau aus Sondermitteln des Investitionsförderungsgesetzes Aufbau Ost (IFG) zu alimentieren. "Es war eher eine moralische Verpflichtung", sagt der Magdeburger Hans-Georg Moldenhauer, ein Quotenfunktionär, der als Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Deutschen Fußball-Bundes für den Osten zuständig ist. "Nachprüfbar war das bisher nicht."Die Mühlen der BürokratieDies hängt mit den Schwierigkeiten von statistischen Erhebungen zusammen: Das IFG wird gemanagt vom Bundesfinanzministerium, bei dem die neuen Bundesländer die Mittel anfordern und auch wieder abrechnen müssen. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, so waren seinerzeit nicht einmal die regierenden CDU/CSU-Sportpolitiker in der Lage, darüber Auskunft zu geben, wieviel Geld denn nun aus dem IFG in ostdeutsche Sportstätten geflossen ist. "Die SPD hat uns damals wegen des Goldenen Planes angegriffen, wir haben in der Not auf das IFG verwiesen", sagt Klaus Riegert, sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. "Aber Waigel hat die Zahlen nicht rausgerückt."Seit Ende September gibt es für drei Jahre (1995 bis 1997) erstmals Zahlen, und die rufen bei allen Sportfunktionären und Politikern Staunen hervor. Aus Analysen der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks, geht hervor, dass in jener Zeit im Rahmen des IFG mehr als 1,2 Milliarden Mark in Sportstätten-Projekte geflossen sind: 350 Millionen 1995, 403 Millionen 1996 und rund 460 Millionen 1997. Der mit den konkreten Projekten konfrontierte DSB-Funktionär Hans-Georg Moldenhauer erklärte: "Ich werde ja schon fast gesteinigt, wenn ich so etwas sage, aber dies bestätigt meine Vermutung, dass schon unglaubliche Summen in den Osten geflossen sind." Norbert Skowronek, Direktor des Berliner Landessportbundes, formulierte seine Verwunderung so: "Das ist für mich sehr überraschend. Das ist ein Effekt, wie wir ihn uns eigentlich vom Goldenen Plan Ost erhofft haben."Zwar ist die Trennung von Einzelsummen sehr kompliziert etwa wenn der Bau von Schulen mitsamt Turnhallen oder auch Strand- und Freibäder gefördert werden , doch fest steht, das innerhalb des Investitionsförderungsgesetzes schon gewaltige Summen in Ost-Sportstätten investiert worden sind. Viel mehr als im offiziellen Goldenen Plan. "Der Sport partizipiert ja von jeder Schulbaumaßnahme", sagt Skowronek. Behauptungen, wie sie etwa die ehemalige Brandenburger Sportministerin Angelika Peter aufstellten, werden durch die IFG-Zahlen, die der Berliner Zeitung vorliegen, ad absurdum geführt: "Nicht einmal einen Kupferpfennig hat die alte Bundesregierung in den vergangenen Jahren für unsere schlechten Sportstätten ausgegeben", hatte Peter im Juni erklärt.Der parteipolitische Streit entzündet sich nun daran, ob der Goldene Plan künftig im IFG aufgehen soll, wie es angeblich Bundesinnenminister Otto Schily anstrebt. "Dann muss Herr Schily offen sagen: Der Goldene Plan ist tot", fordert Unions-Mann Riegert. Eine "Wahlkampflüge" seien jene 100 Millionen Mark, welche die SPD jährlich für den Plan versprochen hat. Im Bundesetat 1999 sind jedoch nur 15 Millionen verbucht.Ein Modell für einen modernen Goldenen Plan präsentiert Winfried Hermann, Sport-Sprecher der Bündnisgrünen im Bundestag. Nicht die flächendeckende Sanierung von Sportstätten für den Leistungssport sei anstrebenswert, sondern eine modellhafte und ökologische Förderung, die modernen Trends entspräche. "Es muss nicht immer ein Stadion mit olympischen Ausmaßen sein", sagt Hermann. "Man muss seine Ansprüche überprüfen. Ihr habt eine Meise, sagen uns die Haushälter klipp und klar."(Kommentar Seite 40)