LAUSANNE. Es bleibt dabei: Die Olympischen Spiele von Sydney sind noch nicht beendet, obgleich die Olympische Flamme bereits im Oktober 2000 erloschen ist. Wann die Sydney-Spiele abgeschlossen werden, steht in den Sternen. Es war erwartet worden, dass das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in dieser Woche in Lausanne die Ergebnisse in jenen fünf Wettbewerben neu festlegt, in denen die geständige Doperin Marion Jones (USA) drei Gold- und zwei Bronzemedaillen gewann. Doch nun sagte Thomas Bach, Chef der IOC-Disziplinarkommission, die Angelegenheit werde noch eine Weile brauchen.Das IOC-Exekutivkomitee wird am Mittwoch lediglich offiziell die bereits von Jones eingeschickten Medaillen aberkennen. Jones hatte in Sydney über 100 und 200 Meter sowie mit der Rundenstaffel gewonnen. Im Weitsprung und mit der Sprintstaffel wurde sie Dritte. Die Amerikanerin hatte im Oktober 2007 unter größtem Druck ihre Dopingpraktiken zumindest für den Zeitraum rund um die Sydney-Spiele offenbart. Sie wollte mit diesem Teilgeständnis eine mehrjährige Haftstrafe wegen Meineids in der Balco-Affäre umgehen. Im Januar fällt ein US-Gericht dazu ein Urteil.Nutznießerin ThanouNach der bisher im IOC gängigen Praxis würden die Einzelergebnisse von Jones gestrichen und alle nachfolgenden Athletinnen einen Rang aufrücken. Über 200 Meter (Gold dann an Pauline Davis-Thompson/Bahamas) und im Weitsprung (Bronze dann an Tatjana Kotowa/Russland) wäre das nach Faktenlage kein Problem. Über 100 Meter aber müsste die mutmaßliche griechische Doperin Ekaterini Thanou, die vor den Spielen 2004 in Athen für einen Weltskandal sorgte und gesperrt wurde, zur Olympiasiegerin erklärt werden. Eine Mehrheit im Exekutivkomitee will das verhindern, aus "ethischen Gründen", wie der Schweizer Denis Oswald sagt, der neben Bach und dem Ukrainer Sergej Bubka die Disziplinarkommission bildet.Das Problem Thanou könnte das IOC umschiffen, indem es die Jones-Medaille nicht neu vergibt. Thanous Anwälte haben angekündigt, ein solches Urteil anfechten zu wollen. Eine andere Lösung könnten die Verbindungen des Thanou-Trainers Tsekos zum Balco-Dopinglabor sein. Darüber erhofft sich Bachs Kommission Aufschlüsse in den FBI-Dokumenten. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat dem IOC bereits eine Steilvorlage gegeben, als er sämtliche Resultate von Jones für den Zeitraum ihres Dopinggeständnisses annullierte, inklusive der Staffelrennen. Der amerikanische NOK-Präsident Peter Ueberroth forderte die Staffelläuferinnen auf, ihre Medaillen ebenfalls zurückzugeben. Bachs Kommission will aber erst nach Anhörung der Sportlerinnen entscheiden.------------------------------Foto: Trügerische Lorbeeren: Die gedopte Marion Jones erhält Gold in Sydney.