Robert Griess, 43, verheiratet, zwei Kinder, ist nicht nur "ein einfacher Diener im Weinberg der Satire". Nein, er ist auch ein moderner Vater und ein sehr aufmerksamer Zeitgenosse. Deshalb Vorsicht, wenn Sie diesem Mann begegnen - und sei es nur auf dem Kinderspielplatz: Kann gut sein, er macht aus der Begegnung ein Kabarettstück. Griess, der an der Kunsthochschule für Medien in Köln Kabarett unterrichtet hat, ist ein wortgewaltiger Schwarzhumorist, ein Alltagsbeobachter mit Abitur - und deshalb qualifiziert genug, vom Geburtenrückgang bis zur Finanzkrise seine Meinung kundzutun. Und dafür Geld zu verlangen.Vor vier Jahren haben Sie sich der großen Koalition noch als Kompromiss-Kanzler angeboten. Jetzt widmen Sie sich dem "Assi-Adel". Was ist passiert?Ich hab auch nicht weniger Ahnung als sie die Politiker rüberbringen. In der politischen Diskussion haben die doch Quereinsteiger verlangt - also hab ich mich als Mann aus dem Volk angeboten. Doch seit die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht, wurde der Kölsche Assi-Adel relevanter. Meine Figur Stapper ist ein Assi mit Revolte-Haltung. Der fährt immer mit seinem Klimakillerauto rum, um reiche Leute zu ärgern. Im Bioladen oder vor der Waldorfschule.Ist die Figur typisch Kölsch? Gibt es Unterschiede zu Berlin?Konflikte zwischen Unter- und Mittelschicht werden immer häufiger, egal wo. Berlin unterscheidet sich nur dadurch, dass es größer ist. Deshalb sind manche Konflikte in Berlin auch schon fünf Jahre weiter als anderswo. Filz, Unfähigkeit und Sumpf sind aber in allen Großstädten verbreitet. Nur, Berlin ist wirklich eine Metropole und Köln Provinz. Während Berlin einen schwulen Bürgermeister hat, trägt unser noch einen Höhner-Schnäuzer.Zwanzig Minuten gehen Sie in Ihrem aktuellen Programm "Geht's noch?" auf die Finanzkrise ein. Haben Sie die vielleicht verstanden? Können Sie die etwa erklären?Naja, Aktien steigen nur so lange, wie es mehr Deppen gibt als Aktien. Ich habe ja kein BWL studiert, aber in der Krise sieht man: Die BWLer verstehen das ja selber nicht. Die werden dann Berater und kennen in der Theorie 99 Liebesstellungen, aber in der Praxis kein einziges Mädchen. Wissen Sie, bei Bad Bank - da dachte ich erst, das sei ein neuer Kurort für geschlauchte Manager. Ich habe mir so ein Guantanamo auf Sylt vorgestellt, wo alle bis zum bitteren Ende mit Champagnerfolter bestraft werden ...Wenn Sie die Misere nüchtern betrachten und kommentieren, können Sie dann überhaupt noch spaßig motivieren?Es gibt ein paar einfache Regeln, mit denen man sicher durch die Krise kommt. Etwa diese: To have lunch or to be lunch. Ich gebe aber auch konkrete Tipps, wie man sich seine Aktienverluste zurückholen kann.Zum Beispiel?Die Post ohne Porto verschicken. Keine Briefmarke draufkleben, als Empfänger eine Adresse im Ausland draufschreiben und als Absender denjenigen, der den Brief wirklich kriegen soll. Die Leute sollen kreativ bleiben. Ich will sie auffordern, selbstständig zu denken, selbst zu handeln. Deshalb verabreden sich in meinem Programm die drei Väter von der Spielplatzbank - obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Milieus kommen - am Schluss zur gemeinsamen Revolte.Ist Deutschland noch zu retten?Wenn man das Konjunkturpaket sieht: 2 500 Euro für ein neues Auto, 100 Euro für ein neues Kind - dann sieht man die Zukunftsorientierung. Hierzulande bekommt heute eine Frau im Durchschnitt noch 1,2 Kinder. Bei den Akademikerinnen steht sogar eine Null vor dem Komma. Wir brauchen also ein Sommersemester sämtlicher Studentinnen aller Fakultäten, um in sechs Jahren überhaupt eine neue Grundschulklasse zusammenzukriegen.Sie sind Kabarett-Coach. Was machen Sie da?Ich zeige Laien, wie sie humorvoll mit unbequemen Dingen umgehen. Dafür hab ich Sketche mit Ur-Mustern entwickelt, die immer funktionieren. Wobei: Härtere Zeiten erfordern härtere Pointen! Mein Motto: Wer heilige Kühe ehrt, ist fromm. Wer sie schlachtet, wird satt. Kabarettisten widmen sich dem Versagen der Elite - und wir haben viel zu tun.Das Gespräch führte Abini Zöllner.Robert Griess Do-So (9.-12. 4.) jew. 20 Uhr, Mehringhoftheater, Gneisenaustr. 2 a, Karten unter: 691 50 99 oder 01805-23 27 00.------------------------------Foto: Bad Bank? "Ist das ein neuer Kurort für geschlauchte Manager? Robert Griess macht sich so seine Gedanken.