Das katholische Radio Horeb erhält in Bayern eine UKW-Frequenz. Kritiker nennen das Programm fundamentalistisch: Pfui Teufel

Er wisse jetzt wenigstens zu tausend Prozent, dass er in die Hölle komme, sagt Klaus Mucha. Es klingt amüsiert, obwohl die Sache einen ernsten Hintergrund hat. Klaus Mucha ist katholischer Priester. Er hat es gewagt, einen katholischen Radiosender zu kritisieren. Seither rufen Dutzende Glaubensbrüder und -schwestern in seiner Pfarrei an, die ihn verfluchen und zum Teufel wünschen.Der katholische Sender, um den es geht, heißt nach dem alttestamentarischen Wort für den Berg Sinai Radio Horeb. In der vergangenen Woche hat der Kanal, der bislang nur über Satellit und regionale Kabelnetze zu empfangen war, eine eigene UKW-Frequenz in München bekommen. Mehrmals täglich wird auf Radio Horeb der Rosenkranz gebetet; morgens, mittags und abends gibt es weitere Gebete, die bis zu 45 Minuten dauern. In Themensendungen haben vor allem Hörer die Möglichkeit, sich zu Glaubensfragen zu äußern. Veranstaltet wird Radio Horeb von der Internationalen Christlichen Rundfunkgemeinschaft (ICR), einem europaweit tätigen Verein. Das bayerische Programm verantwortet Pfarrer Richard Kocher, ehrenamtlich. Die katholische Kirche besteht im Übrigen darauf, dass Radio Horeb kein Kirchenfunk ist, sondern katholischer Privatfunk.Klaus Mucha hat sich gegen Radio Horeb gestellt. "Weil der Sender fundamentalistisch ist", sagt er. Das, was Horeb verbreitet, sei Theologie aus dem 19. Jahrhundert. "In der vergangenen Woche gab es einen Beiträge zur Abtreibung und zur Sterbehilfe. Beide Themen wurden wie selbstverständlich mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht", sagt Mucha, der selbst Radiobeiträge für öffentlich-rechtliche Sender macht. Mucha kritisiert auch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM), die dem Sender die UKW-Frequenz gab. "Der Medienrat der BLM hat sich von der Politik über den Tisch ziehen lassen", sagt er. Münchner Zeitungen berichteten, dass Mitglieder des Gremiums aus der Staatskanzlei angerufen und gebeten wurden, für den Sender zu votieren. "Dazu will ich mich nicht äußern", sagt Anke Geiger, Vorsitzende des BLM-Medienausschusses. Geiger selbst stimmte gegen Radio Horeb. Auf der einen Seite störte sie sich an dem Frauenbild, das der Sender vertrat. "Auf der anderen Seite gab es Ansätze von Rassendiskriminierung", sagt Geiger. In einem Prüfbericht der Medienanstalt, die den Sender zwei Tage abhörte, ist zu lesen, dass ein Anrufer zur Umkehr mit Gottes Hilfe aufruft, "bevor wir als weiße Rasse abgedankt haben und dass die Farbigen dann über uns kommen". Ein anderer Hörer pöbelte gegen die "Zigeuner", für die Diebstahl ein Sport sei, "so wie der Jäger auf die Jagd geht". In einem Brief an die BLM gelobte Programmchef Kocher Besserung. Man werde die Mitarbeiter künftig besser schulen, schrieb er. Außerdem hat der Sender mit Günther Lindinger einen Medienberater engagiert, der künftig für ein professionelles Auftreten des Kanals sorgen soll. "Wir bezweifeln den Prüfbericht der BLM gar nicht", sagt Lindinger. "Doch bestimmte Dinge darin sind nicht hundertprozentig wiedergegeben worden." Bei den eigenen Positionen sieht Lindinger den Sender hinter den Auffassungen des Papstes. "Klar, dass liberale Katholiken mit den eher konservativen Positionen Probleme haben". Möglich, dass bald auch andere Regionen von Radio Horeb versorgt werden. Angeblich bemüht sich der Sender um eine UKW-Frequenz in Berlin. Bereits zweimal sei Horeb mit diesem Vorhaben gescheitert, teilte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg mit. Doch davon lässt sich der Sender nicht abschrecken. "Wenn eine Frequenz frei wird, gehen wir ins Rennen", sagt Horeb-Berater Günther Lindinger.------------------------------Foto: Glauben schützt nicht vor Sauwetter: Geistliche auf einem Katholikentag in Mariazell. Radio Horeb übertrug live.