ADLERSHOF. Als Kind liebte Manuela Henning die Sonntagsvorstellungen im Filmtheater Capitol. Für 25 Pfennige lernte sie dort die Olsenbande und Indianerhäuptlinge kennen. "Das Kino war repräsentativ und hatte sogar Logen, das beeindruckte uns sehr", sagt sie. Heute geht die 45-Jährige ins Kiezkino Casablanca gleich um die Ecke, denn das Capitol an der Dörpfeldstraße existiert nicht mehr. Der letzte Film lief dort am 17. Oktober 1990. Danach war Schluss. Am 2. November wird das Capitol wieder eröffnet. Nicht als Kino, sondern als Markthalle.Dafür hat sich Projektentwickler Kay-Uwe Blietz auf Berliner Märkten umgeschaut, unter anderem auf dem Winterfeldplatz in Schöneberg. "Wir wollen, dass die Dörpfeldstraße wieder ein Anziehungspunkt für den Südosten Berlins wird, wie sie es vor vielen Jahren einmal war", sagt der 40-Jährige. Denn ein Besuchermagnet ist die Straße längst nicht mehr. Die meisten Geschäfte sind Filialen, die man auch woanders findet. Nur wenige Bäcker, Fleischer oder Boutiquen versuchen, gegen die Beliebigkeit anzukämpfen. In den Marktpassagen, einem kleinen Einkaufszentrum, das an die Stelle des Adlershofer Kabelwerkes gesetzt wurde, stehen etliche Läden leer. Alte Adlershofer erinnern sich an Zeiten, als man bei Hortex, einem Spezialladen für polnische Obstkonserven, anstehen musste oder Familien sich in der Schlange vor der Fleischerei Backs abwechselten. Wo Hortex war, steht jetzt ein Neubau, in dem es Backwaren und Blumen gibt. Die Fleischerei Backs existiert zwar noch, aber Warteschlangen gibt es dort keine mehr.Die neue Markthalle soll mit Spezialitäten das Angebot der umliegenden Supermärkte ergänzen. Die Hälfte der 40 Stände im einstigen Kinosaal ist bereits fest gebucht. Ein Kaffeeröster ist dabei, eine Fischräucherei, ein Biobäcker sowie Hersteller frischer Pasta und frisch gepresster Öle. Brandenburger kommen mit verschiedenen Senfsorten und Biohonig, und ein Kräuterproduzent wird erklären, welche seiner 200 Minze-Sorten in welchem Rum am besten schmeckt. Auch Sven Schramm, der seit zehn Jahren Obst und Gemüse an der Dörpfeldstraße verkauft, will in die Markthalle ziehen. "Dort haben wir viel bessere Bedingungen und gute Nachbarn", sagt er.Zum Capitol-Projekt gehört auch ein Fitnesszentrum mit Ernährungsberatung sowie eine Sauna mit Dachterrasse. Investor Michael Weltzer rechnet mit rund 1 500 Kunden täglich. Der Adlershofer Ingenieur hat gemeinsam mit einem Geschäftspartner das alte Kino und das Nachbargebäude gekauft. Rund 3,5 Millionen Euro investieren sie mit Hilfe von Banken. Mit ihrem Projekt verfolgen sie noch ein anderes Ziel: "Wir wollen die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Adlershof aufbrechen", sagt Weltzer. Das alte Adlershof ist das Wohngebiet östlich von Adlergestell und S-Bahn, das neue ist die Wissenschaftsstadt Wista. Berührungspunkte zwischen beiden gibt es bislang kaum. Mit einem geplanten Bus-Shuttle sollen Forscher, Studenten und Beschäftigte der Wista zum Mittagsimbiss in die Dörp- feldstraße geholt werden. Und auch Filmliebhaber könnten im Capitol wieder auf ihre Kosten kommen: Auf dem Hof ist - das Einverständnis der Nachbarn vorausgesetzt - ein Sommernachts-Kino geplant.------------------------------Foto: Seit den 30er-Jahren war das Capitol ein Kino. Im Oktober 1990 wurde es geschlossen, danach verfiel es zur Ruine. Jetzt wird es zur Markthalle umgebaut.