Wenn es ums Allgemeine geht, dann scheinen sich alle einig zu sein. Begriffe wie "Freiheit der Kunst", "Sicherung der kulturellen Vielfalt" und "Angebote für alle Bürger" finden sich durchgängig in den kulturpolitischen Passagen der Bundestags-Wahlprogramme. Nur die CDU übt sich selbst insoweit in Zurückhaltung. In ihrem "Zukunftsprogramm" ist zwar mehrfach von "Werten" und "Bedürfnissen" unserer Mitbürger die Rede, doch das Wort "Kultur" wird nur am Rande erwähnt. Es fällt nur im Zusammenhang mit der angestrebten Stärkung des "regionalen, überschaubaren Lebensumfelds", die Kultur soll außerdem als Bindemittel für "nationale Solidarität und nationalen Zusammenhalt" dienen. Eine "Antwort für Deutschland" ist sie der CDU offenbar nicht wert."Abbau von Bürokratie" ist ein weiteres Vorhaben, dem sich so gut wie alle Parteien verpflichtet zeigen, mal in einer übergreifenden Aussage enthalten, mal, wie bei der PDS, als "ideenlose Sachzwangargumentation" attackiert, der es mit einer neu zu schaffenden "kulturpolitischen Interessenvertretung entgegenzuwirken" gelte. Wobei freilich offenbleibt, was im einzelnen gemeint ist und wie dergleichen geschehen soll. Geht es um einen Unterausschuß Kultur beziehungsweise einen eigenständigen Kulturausschuß? Die Forderung ist ja inzwischen Allgemeingut, die im Bundestag vertretenen Fraktionen haben dergleichen kürzlich in einer gemeinsamen Aktion beschlossen. Einzig bei der FDP steht es auch im Wahlprogramm. Sie spricht sich für "die Einrichtung eines Kulturausschusses des Deutschen Bundestages als parlamentarische Kontrolle" aus, ja "fordert" das sogar. Sieht man von diesen Äußerungen ab, fällt auf, wie sehr in den Wahlprogrammen durchweg der Bezug zum Aktuellen fehlt. So nimmt mit Ausnahme allerdings wiederum der FDP, die sich jedenfalls gegen ein "mit den Ländern konkurrierendes Bundeskulturministerium" ausspricht keine der Parteien zu der ja schon seit Monaten diskutierten Frage Stellung, ob der Bund nicht künftig seine die Kultur betreffenden Aufgaben und Zuständigkeiten bündeln soll. Selbst die Grünen schweigen sich dazu aus, trotz Antje Vollmers wiederholter Erklärung, es müsse ein eigenständiges Bundeskulturministerium installiert werden. Gar nicht zu reden von der SPD, deren Kanzlerkandidat mit Michael Naumann einen "Bundesbeauftragten für Kultur" bereits benannte. Den Bonner SPD-Strategen ist das offenbar erst nach der Verabschiedung ihres Wahlprogramms eingefallen.