Ohne Zweifel dürfen wir ihn so nennen: Erich Schmitt war einer der bedeutendsten und beliebtesten Karikaturisten und Comiczeichner der DDR. Letztere ist verblichen, Schmitts Blätter witzeln, strahlen, amüsieren wie eh und je. Der wohlbeleibte und immer vergnügte Urberliner mit weißer Binnen-Schiffermütze, über deren Schild der Schriftzug "Berliner Zeitung" prangte - halb Werbemittel, halb Bekenntnis der Zugehörigkeit.Schmitt arbeitete nach dem Krieg als Karikaturist für zahlreiche DDR-Zeitungen und Zeitschriften. Sein fester Arbeitgeber war jedoch die Berliner Zeitung. Er hatte in der Redaktion sogar ein eigenes Büro. Doch er war nicht nur Hauskarikaturist, sondern gestaltete über drei Jahrzehnte hinweg mit viel Kreativität und Einfallsreichtum Comic- und Cartoonserien, deren Haupthelden in der DDR einen enormen Bekanntheitsgrad erreichten: Kuno Wimmerzahn, die mit ihren Patienten reichlich unzimperliche Schwester Monika, Nixi, Ede der Tierparklehrling, Artisten des Zirkus Alberto oder die Besatzung der Arche Noah.Schon seit den Fünfzigern wurden Schmitts Cartoonserien, Comics und Karikaturen in Buchausgaben gesammelt und mehrmals aufgelegt. Diese Praxis gipfelte schließlich Ende der Sechziger im "Dicken-Schmitt-Buch" und in "VerSCHMITTzter Tierpark", zwei Bände, die dann in fast keinem Haushalt in und um Berlin herum fehlten und auch in Buchhandlungen von Suhl über Leipzig bis Rostock Bestseller wurden.Schmidt kam am 11. März 1924 in Berlin als Sohn eines Postschaffners zur Welt. Er besuchte die Volksschule, lernte Maschinenschlosser, musste zur Wehrmacht - und an die Front. Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete er als Schlosser und versuchte nebenher, sein Talent als Zeichner zum Beruf zu machen. Er besuchte 1946 die Abendkurse der Pressezeichnerschule in Halensee. Seit 1948 lieferte Schmitt die tägliche Karikatur für die Berliner Zeitung, - und das bis 1980. Rund zehntausend Zeichnungen sind allein für unser Blatt entstanden. Darüber hinaus belieferte Schmitt den Eulenspiegel und die Wochenpost.Heute vor 25 Jahren starb der beliebte Zeichner in Berlin. Ihm, dem Künstler aus dem Arbeiterbezirk Lichtenberg, war die Ehre zuteil geworden, seinerzeit der einzige einheimische Cartoonist zu sein, dem man noch zu DDR-Zeiten eine Würdigung seines Werkes angedeihen ließ, indem sein gütiger Humor, aber auch seine bissige Zeitkritik in so vielen - dicken - Büchern verewigt werden konnten.In der im Berliner Verlag erschienenen Wochenzeitschrift Freie Welt hatten auch DDR-Comicmacher ein Forum, in dem sie auf Kinder zugeschnittene Serien veröffentlichen konnten. Diese Gelegenheit nutzte Erich Schmitt, um seinen beiden Lieblingsthemen "Weltraumfahrt" und "Tiere" zu frönen, indem er sie in Geschichten verpackte, in denen Kinder im Mittelpunkt stehen. Wie nahezu alles von Schmitt wurden auch diese Serien in Hardcoverbänden gesammelt.Allerdings musste der Zeichner sie dafür heftig ummontieren und teilweise durch neue Bilder ergänzen, um die disparaten Formate anzupassen. Es erschienen "Ein Planet wird gesucht" und "Benjamin und Benjamin, beide in jeweils 14 Heft-Folgen. Das besondere an dieser Serie sind die Gastauftritte von Schmitts populären Comic-Strip-Charakteren, wie Schwester Monika, des Direktors des Zirkus Alberto und Tierpark-Edes. Gerade auch die Geschichten aus dem Tierpark in Friedrichsfelde - dahin hatte es der Lichtenberger ja auch nicht weit - sind etwas ganz Besonderes. Jeder Neuzugang bei den Tieren, jede Geburt wurde in eine Zeichnung gepackt, die montags in der Berliner Zeitung erschien. Dafür zog der kleine, dicke, schnurrbärtige Mann mit Block, Kugelschreiber und den beiden Söhnen samstags in den Tierpark. Der war ein Teil von Schmitts Lebens.Derzeit erinnert das Märkische Museum an diesen einzigartigen berlinischen Zeichner, der die große Politik und die tausend kleinen Dinge des Alltags gleichermaßen satirisch auf die Feder spießte, und der so über die "Mühen der sozialistischen Ebene" herzog, um hier einmal Brecht zu verwursten. In der Ausstellung im Märkischen Museum gibt es eine spannende, witzige Gegenüberstellung: Der Karikaturist OSKAR aus dem Westen Berlins nahm jahrelang die Geschehnisse um die Mauer in der Berliner Morgenpost aufs Korn. Die Blätter korrespondieren aufs Schönste mit Erich Schmitts Karikaturen aus der Berliner Zeitung. Und so erlebt der Betrachter mit dem Abstand von 50 bis 30 Jahren die Höhepunkte der Ost-West-Konfrontation und ihre Auswirkungen auf den Alltag der Stadt - hüben wie drüben.Vor allem aber erzählte Erich Schmitt immer die Geschichten vom kleinen Mann, humoristisch verpackt, meist aus der Sicht des Berliners, oft mit Kommentaren im Berliner Jargon. Schneidend ironisch konnte der Zeichner, der fast nie ohne seine gute alte "Knipse" aus dem Haus ging, sein, auch die Zustände in der DDR betreffend, Bürokratie und Bevormundung, Mangel- und Misswirtschaft, Schlangestehen und Ideenbremsen. Oft musste er seine Zeichnungen für sein Haus- und Magenblatt überarbeiten, gar so kritisch wollten die politischen Redakteure, so sehr sie Schmitt auch mochten, es denn doch nicht wagen.------------------------------Ausstellung im Märkischen Museum: "Karikaturen des Kalten Krieges - Oskar versus Erich Schmitt". Am Köllnischen Park 5 (Mitte). Bis 7. Februar, Di, Do-So: 10-18/Mi 12-20 Uhr. Silvester geschlossen, Neujahr geöffnet von 14-18 Uhr.------------------------------Foto: Ohne seine gute alte Knipse verließ der Zeichner Erich Schmitt nie das Haus. Sie war sein Ideenspender im Alltag.Foto: (2) Erich Schmitt: "Tränen um die unbegrenzte Macht, 24. 9. 1961" und "Krawalle an der Mauer, 29. 9. 1961".