Berlin - Im Opernpalais Unter den Linden speisten Könige und Hollywoodstars, Regierungschefs und Künstler von Weltrang. Nun soll das traditionsreiche Haus am Boulevard Unter den Linden geschlossen werden. Unklar ist, ob es dort jemals wieder ein Café geben wird.

"Wir haben uns mit dem Pächter darauf verständigt, den Mietvertrag nach 22 Jahren nicht zu verlängern", sagte Olaf Willuhn, Sprecher der TLG Immobilien, zur Berliner Zeitung. Dem bundeseigenen Unternehmen gehört das Opernpalais samt dem berühmten Operncafé. "Der Vertrag läuft am 31. Dezember dieses Jahres aus", sagte Willuhn. Das Gebäude soll dann erst einmal saniert werden. "Sobald der jetzige Pächter ausgezogen ist, werden wir uns das Haus genau ansehen und danach entscheiden, wie umfangreich die Arbeiten sein müssen." Ziel sei es, das Palais "innerhalb von zwei Jahren zu modernisieren und wieder zu vermieten".

Die Eigentümer können sich eine völlig andere Nutzung des Hauses vorstellen. "Beispielsweise als Unternehmensrepräsentanz oder als Sitz einer Stiftung", sagte Olaf Willuhn." Die Lage dafür sei ideal. "Wir sind in der Frage nicht festgelegt." In einem Exposé der TLG Immobilien heißt es, das Palais biete "Raum für fast jedes Konzept: Ob für gehobene Gastronomie, als Veranstaltungs- oder Ausstellungszentrum, als Flagship-Store, Repräsentanz oder Businessclub - hier finden Sie den barocken Rahmen, den Sie mit neuem Leben füllen können."

Für die Töchter des Königs

Das Palais Unter den Linden 5 war von 1733 bis 1737 nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs errichtet worden. 1788 gelangte das Anwesen in den Besitz der königlichen Familie und wurde 1810/11 durch Heinrich Gentz als Wohnhaus für die drei Töchter des Königs Friedrich Wilhelm III. erweitert. Entsprechend der neuen Nutzung bürgerte sich der Name Prinzessinnenpalais für das Gebäude ein - so bezeichnet die TLG Immobilien das Anwesen auch heute. Ab 1929 wurde das Palais einige Jahre von der Nationalgalerie als Schinkel-Museum und Ausstellungsort genutzt.

Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude Anfang der 60er Jahre nach Plänen des Architekten Richard Paulick und Karl Kroll wieder aufgebaut. Im Treppenhaus ließen die Architekten ein schmiedeeisernes Geländer einbauen, das aus dem ehemaligen Schloss Buch stammte. 500 Gäste konnten in allen Räumen des Palais’ mit Operncafé, Opernbar, Weinstube und Grillrestaurant Platz finden. So beliebt ein Besuch im Operncafé war, es war nicht immer alles gut. Die Berliner Zeitung kritisierte in ihrer Kolumne "Bärchen" im Oktober 1971 "lauwarme Ochsenschwanzsuppe in einer Tasse mit Fußbad", "als Obstsalat maskiertes Pflaumenkompott" und einen unhöflichen Kellner.

Nach der Wende mietete der Berliner Gastronom Manfred Otte das Gebäude an und gestaltete es um. Otte gehört zu einer alteingessenen Bäckerfamilie, die 1928 die Wiener Conditorei in Berlin gründete. Heute verbergen sich hinter den Mauern des Opernpalais neben dem Operncafé der Operntreff und zwei weitere Räume im Rokoko-Stil. Berühmt ist das Operncafé für seine Torten und Kuchen, von denen mehr als 50 verschiedene Sorten aus hauseigener Produktion angeboten werden. Das hat sich herumgesprochen, unter anderem bei vielen Prominenten.

Mitarbeiter sind enttäuscht

Zu den Gästen gehörten unter anderen Königin Silvia von Schweden, die Schauspieler Sophia Loren und Alain Delon, Startenor Placido Domingo, Dirigent Daniel Barenboim, Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer, Verhüllungskünstler Christo, die Bundeskanzler Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel sowie die Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Walter Scheel.

Opernpalais-Betreiber Manfred Otte bestätigte auf Anfrage, dass sein Vertrag ausläuft. Nähere Angaben dazu will er bei einer Pressekonferenz machen, die für den 27. September geplant ist. Bei den Mitarbeitern im Opernpalais hat sich jedoch bereits herumgesprochen, dass Ende des Jahres Schluss ist. Eine Bedienung sagte am Freitag, es sei schade, sie werde sich eine neue Anstellung suchen müssen. Der Eigentümer habe die Miete verdreifachen wollen. Der Sprecher der TLG Immobilien wollte dazu keine Angaben machen, weil sich sein Unternehmen nicht zu Vertragsdaten mit Dritten äußere. Ausgeschrieben wird die Vermietung des Palais nicht, sagte der TLG-Sprecher. Insider wissen aber längst Bescheid, dass die Immobilie in Spitzenlage zu haben ist. Olaf Willuhn: "Es gibt schon jetzt viele Bewerber."

Berliner Zeitung, 27.08.2011