Das Pentagon unternimmt einen neuen Versuch, weltweit die öffentliche Meinung zu beeinflussen: Das US-Verteidigungsministerium hat ein 300-Millionen-Dollar-Programm aufgelegt, um pro-amerikanische Nachrichten in ausländischen Medien zu platzieren. Diese werden allerdings nicht als Beiträge der US-Regierung gekennzeichnet sein. Das Ziel sei, sagte Pentagon-Sprecher Lawrence DiRita, "faktische, wahre Information zu liefern, mit einem gewissen Grad an Transparenz, soweit das angemessen ist."PR-Firmen erledigen den JobDas Programm, das bereits im Juni beschlossen wurde, soll fünf Jahre lang laufen. Verantwortlich dafür sind die Experten für psychologische Kriegsführung beim U.S. Special Operations Command, das dem Pentagon untersteht. Mit den 300 Millionen Dollar sollen nicht nur Beiträge in Zeitungen und Radio- und TV-Sendern bezahlt, sondern auch Websites installiert oder T-Shirts bedruckt werden. Die eigentliche Arbeit jedoch wird von Public-Relations-Firmen erledigt. Das Pentagon beauftragte drei Firmen damit, eine entsprechende Webekampagne aufzulegen: Science Applications International aus San Diego sowie SYColeman und die Lincoln Group aus Washington, DC. Alle drei bekommen dafür jeweils 100 Millionen Dollar. Die Lincoln Group machte erst kürzlich Schlagzeilen, als die Los Angeles Times enthüllte, dass sie seit 2004 den Auftrag hatte, amerikafreundliche Artikel mit "guten Nachrichten" gegen Entgelt in irakischen Zeitungen zu platzieren. Bei der Lincoln Group arbeitet an führender Stelle Andrew Garfield, ein ehemaliger britischer Geheimdienstmann und Experte in psychologischer Kriegsführung, der zuvor in Nordirland stationiert war, wie der britische "Guardian" schrieb.Dass die US-Regierung Artikel in ausländischen Zeitungen unterbringt, ist nicht neu: Bereits im Februar 2002 gründete Verteidigungsminister Donald Rumsfeld das "Office for Strategic Influence", das die öffentliche Meinung beeinflussen sollte. Und im ersten Golfkrieg hatte das Pentagon die PR-Firma Hill & Knowlton engagiert, die etwa die Story erfand, wie irakische Soldaten kuwaitische Brutkastenbabys töteten. Das Pentagon hat versichert, dass die lancierte Zeitungsartikel oder Fernsehbeiträge nur die Wahrheit enthalten würden, keine Lügen. Den Beteiligten ist dennoch nicht ganz wohl dabei. Die Lincoln Group hat sich in ihrem Vertrag mit dem Pentagon ausgebeten, vor "Nachfragen U.S.-amerikanischer und ausländischer Medien geschützt zu sein."