PETER NEUMANN ist gespannt, ob der Hauptbahnhof tatsächlich ein Magnet wird.In wenigen Wochen wird es spannend. Der neue Berliner Hauptbahnhof, dessen Hochhäuser sogar das Bundeskanzleramt überragen, wird eröffnet. Dann wird sich zeigen, ob dort und im Tiergartentunnel der Zugbetrieb wie erhofft ohne größere Störungen in Gang kommt. Eine Neuauflage der Pannenserie, die nach der Wiederinbetriebnahme der Stadtbahn 1998 den Reisenden graue Haaren bereitet hat, wäre peinlich. Doch für das kostspielige Glamourprojekt gibt es noch einen viel größeren potenziellen Imagekiller. Am peinlichsten wäre es, wenn der Bahnhof so leer bliebe wie der Straßentunnel unterm Tiergarten, der mit ähnlich großen Erwartungen eröffnet worden ist.Viel spricht dafür, dass die Nutzerzahlen lange hinter den Hoffnungen zurückbleiben werden. Bereits über den Vorgänger, den Lehrter Bahnhof, war gespottet worden: "So weit das Auge reicht, nirgends ein Gebäude, dessen Insassen diese Haltestelle benutzen könnten." Die fehlende S-Bahn-Anbindung nach Norden und Süden sowie der Aufschub des Straßenbahnbaus nach Osten sind weitere Handicaps. Die Fernbahnhöfe Gesundbrunnen und Südkreuz, die ebenfalls im Mai öffnen, bieten bessere Anschlüsse - also mehr Nutzwert. Aber vielleicht wird die monumentale, aber trotzdem filigrane und lichte Architektur des Hauptbahnhofs ja eine Anziehungskraft schaffen, die sich in Fahrgast- und Besucherzahlen niederschlägt. Das große Interesse an den Mietflächen zeigt, dass Gewerbetreibende dem Standort jedenfalls vertrauen. Es wäre schön, wenn sich das Vertrauen auszahlt - und der Bahnhof ein Erfolg wird.