Die Humboldt-Universität ist in der Führungskrise!, erfährt man zur Zeit aus Medien der Stadt. Was ist geschehen? Die Vizepräsidentin der HU, Susanne Baer, hatte in der vergangenen Woche plötzlich ihr Amt zur Verfügung gestellt, wegen "nicht aufzulösender Differenzen" in der Uni-Leitung. Weil es keine genaueren offiziellen Mitteilungen gibt, entstand seitdem ein Gemunkel. Ein Gerücht bezieht sich auf den "zentralistischen" Stil des Präsidenten Markschies .Was weiß man wirklich? Als Anfang dieses Jahres der Theologe Christoph Markschies sein Amt als HU-Präsident antrat, hatte er unter anderem deshalb überzeugt, weil er klar und rhetorisch talentiert sagte, was er wolle: eine Rückbesinnung auf die Reformkraft der Universität, die einst von Humboldt gegründet worden war. Konzentration auf Elite, ohne die Verantwortung für Tausende Studenten zu vernachlässigen. Integration geistes- und naturwissenschaftlicher Fächer in neuen "Lebenswissenschaften". Stärkung der HU - als "Schaufenster der Wissenschaft" und Ort der Debatten.In jeder Führungsriege kann es passieren, dass Auffassungen aufeinanderprallen. Das ist geschehen im Falle von Markschies und seiner Vizepräsidentin für Studium und Internationales, Susanne Baer, die schon im Amt war, als er kam. Die Juristin mit dem Spezialgebiet feministische Rechtswissenschaft setzte konsequent auf eine Mitbestimmungs-Universität nach Art der 68er, was Markschies offenbar nicht mittragen konnte. Schon seine Vorgänger hatten auf eine Stärkung des Präsidiums und der Dekane gesetzt.Susanne Baer wollte neue Abschlüsse schaffen - etwa den "Humboldt-Bachelor". Markschies habe skeptisch reagiert, heißt es. Wohl, weil sich hinter neuen Etikette nicht unbedingt auch neue Inhalte verbergen. Auseinandersetzungen gab es auch um eine "Verflüssigung" der Lehrverpflichtungsordnung, mit der Markschies forschungsstarken Professoren ermöglichen will, vor allem Forschung zu betreiben. Markschies bejaht die Einheit von Forschung und Lehre; sie müsse aber nicht immer in einer Person realisiert sein, sagte er. Er wollte auch Auswahlgespräche für Studenten, was Susanne Baer ablehnte.Markschies will seine Vorstellungen an der Humboldt-Uni durchsetzen und braucht dazu Vizepräsidenten, die seine Ideen mittragen. Das ist sein gutes Recht, denn er hat die Verantwortung für die Platzierung der HU im harten Elite-Wettbewerb, der Millionenbeiträge für die Uni bringen soll. Das neue Zukunftskonzept, mit dem die HU in die zweite Runde dieses Wettbewerbs geht, trägt Markschies' Handschrift und wird auch von den beiden anderen Vizepräsidenten voll vertreten: die Übersetzung Humboldts ins 21. Jahrhundert.