Hat er also doch nur Blech gespielt: Jetzt wurde bekannt, dass Stefan Mross - zwölf Jahre lang als Wunderkind der Volksmusik gefeiert - generell nicht fähig ist, eine hochwertige CD mit eigener Trompetenstimme zu produzieren. Das weist ihm Prof. Max Sommerhalder, ein angesehener Dozent für Trompete an der Musikhochschule in Detmold, in einem 159 Seiten umfassenden Gutachten nach. Mehr noch: Selbst bei einem technisch ausgesprochen leichten Stück, das jeder Zwölfjährige ohne weiteres spielen kann, ist Mross Leistung nur "stümperhaft". Das Talent des Beklagten ist gerade mal durchschnittlich und seine Technik wirkt "feld-, wald- und wiesenmäßig". Soweit der Zwischenstand eines Zivilverfahrens, dass der Profimusiker Alexandre Malempré angestrengt hat, weil er sich als "Geisterbläser" auf einer CD des Volksmusik-Stars wiedererkannte. Diese fachwissenschaftliche Einschätzung zu Mross Können ist zweifellos vernichtend. Eltern würden ihren Musikschulkindern bei solchen Beurteilungen raten, es mal mit Sport zu versuchen. Vielleicht würden sie ihnen auch ein Mikroskop kaufen. Mross war schlauer, er verdiente Geld damit, so viel und so lange wie möglich. Das Publikum zahlte."Seit den letzten Produktionen mache ich alles selber", versicherte Mross nach den ersten Vorwürfen im Jahre 1997. Da hieß es schon, dass lange zuvor auch Musiker wie Franz Allgäuer oder Hannes Kottek für Mross geschummelt hätten - für einen Titel gab es 214 Mark unter Abtretung der Urheberrechte. Das ist ärgerlich, weil unterirdisch schlecht bezahlt, aber übliche Praxis. Verwunderlich ist eher, dass Mross offenbar glaubte, tatsächlich selbst gespielt zu haben. Dass er nie an seinen eigenen Qualitäten zweifelte. Dass er seine Kollegen gar als Neidhammel und Lügner abstrafte. Selbst nach dem richterlich angeordneten Vorspiel im Juli 2000 war Mross noch der Meinung: "Ist alles super gelaufen." Sein Anwalt sprach vom "großen Künstler", die Eltern schimpften übers "Kaputt-machen" und Toningenieur Hugo Wieser erklärte: "Wo Mross draufsteht, ist Mross drin." Starke Meinungen von Leuten, die es besser wussten. Mross beherrschte beim Vortrag nicht mal sein Repertoire.Jetzt ist es amtlich: Erstmals in der Geschichte klärte ein deutsches Gericht, ob ein Musiker tatsächlich spielen kann. Noch bevor das Urteil gefällt wird, ist Mross als Hochstapler entlarvt. Doch Karl Moik hält am Mross-Auftritt am 24. März im "Musikantenstadl" fest und Manager Hans-R. Beierlein beklagt nun die "mediale Selbstbefriedigung". Tatsächlich empört sich die öffentliche Meinung über Schwindel-Auftritte und Verbraucher-Betrug. Schon sollen "Köpfe rollen". So als wäre dieser Vorgang einmalig. Was kümmert es die Fans? Sie dürfen sich dazu gratulieren, hochprofessionell eingespielte CDs erworben zu haben - schließlich ist Alexandre Malempré ein geachteter Profi. Und ist es nicht auch "Respekt vor seinem Publikum", dass Mross nie wirklich selbst geblasen hat?