Es macht keinen Sinn mehr. Zum dritten Mal in Folge wurde das Avus-Rennen von einem schweren Unfall überschattet. Die sportlichen Leistungen geraten in den Hintergrund, man sieht Schreckensbilder und sorgt sich um die Verunglückten. Bislang ging immer alles noch recht glimpflich ab. Leichte Verletzungen, schrottreife Autos, millionenschwerer Sachschaden. Doch diesmal war das Glück aufgebraucht. Kieth Odor überlebte den Crash vom Sonntag nur um Stunden. Daheim in Salisbury trauern seine Frau und die Freunde, den Fahrerkollegen des Super-Tourenwagen-Cups sitzt künftig die Angst im Nacken. Und mancher wird wohl darüber nachdenken, ob er überhaupt jemals wieder in ein Rennauto steigt. Auch beim Avus-veranstaltenden ADAC Berlin-Brandenburg scheint ein Umdenken einzusetzen. Bislang wies man jeden Gedanken an ein Ende der Rennen von sich. Unbestritten: Die Organisatoren gaben sich stets größte Mühe, investierten in den letzten Jahren Millionen Mark in die Sicherheit der Strecke. Doch die Frage stellt sich, ob der Traditionskurs inmitten Berlins überhaupt noch geeignet ist für Autorennen mit derartigen Geschwindigkeiten und diesen großen Starterfeldern.Bedingt durch ihren Charakter als Stadtautobahn fehlen bei der Avus die bei anderen Rennstrecken üblichen Auslaufzonen. Fehler der Piloten oder technische Defekte wirken sich deshalb doppelt negativ aus. Hinzu kommt die höchst gefährliche Südkehre, in der sich zuletzt immer einige Wagen ineinander verkeilten. Wahrscheinlich reicht es nicht, allein an die Vernunft der Piloten und an deren vorsichtiges Agieren zu appellieren. Vielleicht steht ja auch zuviel Geld auf dem Spiel.Die Schreckensbilder vom Sonntag sollten dazu führen, daß die Avus-Organisatoren mit aller Verantwortung abwägen, welche Risiken in Zukunft noch eingegangen werden können. Als Motorsportfan mag ich die Rennen im Grunewald mit ihrem besonderen Flair - doch nicht um diesen Preis! +++