Dieses Vorhaben hätte gute Chancen, im Guinness-Buch der Rekorde gewürdigt zu werden. Denn so viel Zeit dürften weltweit nur sehr wenige Bahnbauprojekte in Anspruch genommen haben. Erinnert sich noch jemand? 1997 wurde die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 in Mitte in Angriff genommen. Zwölf Jahre später soll der erste Abschnitt zunächst als U 55 in Betrieb genommen werden - er ist gerade mal 1,8 Kilometer lang. Vom 8. August 2009 an werden zwischen dem Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor Züge verkehren, sagt Andreas Sturmowski, der Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).Die Geschichte der "Kanzler-U-Bahn", in der Regierungsmitglieder aber wohl kaum zu finden sein werden, ist lang. Kurz nach Baubeginn sank das Projekt in der Gunst des Senats, der es stoppte, nachdem 128 Millionen Euro Bundesgeld verbaut worden waren. Als der Bundesrechnungshof dies als besonders krasses Beispiel von Geldverschwendung gebrandmarkt hatte, ging es 2004 weiter. Dann gab es weitere Verzögerungen, weil zu viel Grundwasser in die Baugrube vor dem Hotel Adlon eindrang. Hochtief konfrontierte die BVG mit Nachforderungen von 22,5 Millionen Euro. Inzwischen geht es um noch mehr Geld.Trotzdem ist nun sogar der zweite Bauabschnitt in Sicht. Dabei wird die Lücke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor geschlossen, damit die U 5 von Hönow bis Hauptbahnhof durchfahren kann. Die BVG hofft, dass sie mit dem 376-Millionen-Projekt 2010 anfangen kann. Wann sie fertig wird, hängt davon ab, wie groß die Raten ausfallen - 2017, vielleicht auch erst 2020. Weil ein Tunnelbohrer den Großteil übernimmt, wird nur an wenigen Stellen etwas von dem Projekt zu merken sein. Zum Beispiel an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße, wo in einer Baugrube ein Umsteigebahnhof zur Linie U 6 entsteht - und auch auf der U 6, die mehr als ein halbes Jahr unterbrochen wird.Langsam, sehr langsam wächst auch das Netz der Straßenbahn. Klar ist nur eines: Die Strecke in die Wissenschaftsstadt Adlershof wird 2010 fertig. Ob der Hauptbahnhof wie zuletzt angekündigt von 2011 an ebenfalls per Tram erreichbar sein wird, steht dagegen noch in den Sternen. Denn dieses Projekt ist mit dem Ausbau der Invalidenstraße verknüpft, gegen den Anlieger Klagen androhen. Für weitere Projekte wie Strecken nach Moabit oder zum Potsdamer Platz gibt es nicht einmal vage Zeitpläne. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält sogar eine Bahn vom Alexanderplatz zum Rathaus Steglitz für sinnvoll. Aber die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will erst die Verkehrsprognose 2009 abwarten. Dann möchte er die Frage "Wie viel Straßenbahn braucht Berlin?" beantworten. In aller Ruhe.------------------------------Aufs Gleis gesetzt - die neuen BahnbauprojekteEISENBAHNBBI: Zum Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI), der am 1. November 2011 in Betrieb gehen soll, wird auch ein unterirdischer Bahnhof gehören. Als sicher gilt, dass von Anfang an alle halbe Stunde ein Flughafen-Express vom Hauptbahnhof in knapp 30 Minuten dorthin fahren wird. Die Bahn hofft, dass sie außer der westlichen auch die östliche Anbindung bis 2011 fertig bekommt. Dort würden Regionalzüge verkehren - ebenfalls alle halbe Stunde, unter anderem ab Zoo und Alexanderplatz. Dagegen ist nicht absehbar, dass BBI an den Fernverkehr angeschlossen wird. Die BBI-Bahnanlagen sollen 636 Millionen Euro kosten.Dresdner Bahn: Nur noch 20 Minuten wird die Fahrt vom Berliner Hauptbahnhof zum Flughafen dauern, wenn diese 1952 stillgelegte Strecke neu gebaut worden ist. Auch die Züge nach Dresden sollen den direkten Weg nehmen - vom Südkreuz nach Blankenfelde. Doch Insider befürchten, dass die Fern- und Regionalbahntrasse frühestens 2015 zur Verfügung steht. Oft wurde umgeplant, nun werden die Pläne erneut öffentlich ausgelegt. Wenn der Planfeststellungsbeschluss endlich da ist, wollen Lichtenrader Anwohner dagegen klagen - sie fordern einen Tunnel. Der Bau der 14 Kilometer dauert vier Jahre.Heidekrautbahn: Im Nordosten könnte eine weitere, zu DDR-Zeiten unterbrochene Verbindung neu entstehen. Berlin und Brandenburg lassen prüfen, ob es wirtschaftlich wäre, die Heidekrautbahn von Wilhelmsruh in Richtung Basdorf wieder in Betrieb zu nehmen. Im Juli 2009 soll das Ergebnis vorliegen. Eine Variante sieht vor, dass die Züge nicht mehr in Karow, sondern am Gesundbrunnen beginnen. Ausflügler kommen dann bequemer in die Schorfheide - und in die Pilze.S-BAHNBBI: Auch die S-Bahn wird den Großflughafen ansteuern. Die Trasse der Linien S 45 und S 9 wird über den heutigen Flughafenbahnhof hinaus verlängert - um rund acht Kilometer. Die zweigleisige Trasse soll fertig sein, wenn BBI eröffnet wird.Zweite Nord-Süd-S-Bahn: Auch im Regierungsviertel wird eine neue Strecke für die rot-ockerfarbenen Züge gebaut. S 21 lautet der Arbeitstitel des Projekts, das bis zu 330 Millionen Euro kostet. Dadurch soll der Hauptbahnhof besser erreichbar sein, unter anderem mit der S 1. Laut Senat entsteht der Nordteil von 2009 bis 2015. Die Strecke, die auf Karten wie ein Y aussieht, führt von Westhafen und Wedding zum Hauptbahnhof. Von 2018 bis 2021 soll der Südteil gebaut werden, der beim Brandenburger Tor an die heutige Nord-Süd-S-Bahn anschließt - eventuell mit einem S-Bahnhof Bundestag.In den Westen Spandaus: Brandenburger Planer halten nichts davon, die 1961 stillgelegte S-Bahn Spandau-Falkensee wieder aufzubauen. Regionalzüge bieten bessere Verbindungen, meinen sie. Doch auf dem Abschnitt Spandau-Hackbuschstraße könnte eine S-Bahn sinnvoll sein, heißt es im Senat. Ob dies auch wirtschaftlich wäre, lässt Berlin nun untersuchen.STRASSENBAHNIn die Wissenschaftsstadt: Die meisten Gleise liegen schon. Weil aber an der Brücke am S-Bahnhof Adlershof noch einige Zeit lang gebaut wird, können die Züge der Straßenbahnlinien 60 und 61 erst von 2010 an über die Rudower Chaussee in die Max-Born-Straße fahren.Zum Hauptbahnhof: Gleich drei Linien sollen von Osten über die Invalidenstraße zum Hauptbahnhof geführt werden - die M 6, die M 8 und die M 10. Ursprünglich sollte die Trasse 2006 fertig sein, nun nennt der Senat keinen Termin mehr.------------------------------Foto: Modenschauen, Opern, Ausstellungen: Der U-Bahnhof Bundestag ist ein beliebter Veranstaltungsort. Aber nicht mehr lange.------------------------------Foto: Die U-Bahn-Linie 5 (hier am Alex) endet künftig am Hauptbahnhof.------------------------------Foto: Auch die Straßenbahn nimmt Kurs auf den Hauptbahnhof.------------------------------Foto: Die S-Bahn fährt ab 2011 von BBI auch zum Alexanderplatz.