Unter Gesprächen hatten wir das Dorf passiert und hielten jetzt an einer Havelstelle, von wo aus wir über einen parkartigen, grüngemusterten Garten hinweg auf das Herrenhaus sehen konnten, einen Hochparterrebau, mit Souterrain und zweiarmiger Freitreppe." Etwas weniger idyllisch als in der Beschreibung Fontanes wird sich in den kommenden Monaten das Schloß Caputh noch dem Besucher präsentieren müssen. Wenn am Sonnabend nachmittag die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg nach zweieinhalbjähriger Restaurierung ihr 25. Museumsschloß feierlich eröffnet, können zunächst nur einige Räume des ehemals kurfürstlich-königlichen Anwesens am Templiner See besichtigt werden: die Wohnung des Kurfürsten mit dem Festsaal im Hochparterre und dem darunter gelegenen Fliesensaal im östlichen Teil der Anlage. Außerdem gibt es eine Ausstellung und eine Videodokumentation zur Geschichte und Restaurierung des Bauwerks. Die Gemächer der Kurfürstin und das Porzellankabinett im Westtrakt werden erst in einem Jahr fertiggestellt sein. Der Besuch lohnt sich dennoch schon; der einzig erhaltene Schloßbau des Großen Kurfürsten gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern Brandenburgs.Bereits 1548 gelangte das Landgut Caputh in den Besitz der brandenburgischen Kurfürsten. Doch erst Joachim Friedrich ließ zwischen 1598 und 1599 für seine Gemahlin Katharina ein kleines Schloß errichten, das während des Dreißigjährigen Krieges weitgehend zerstört wurde. Nach dem Westfälischen Frieden betrieb der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm den wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau Brandenburgs nach holländischem Vorbild. Als Kurprinz hatte er an der Universität Leiden studiert, den Unabhängigkeitskampf und die Entwicklung der niederländischen Republik zum modernsten Staat Europas in Kunst und Wissenschaft miterlebt. Seine Heirat mit Luise Henriette von Oranien stärkte diese Beziehung.Fürst Johann Moritz von Nassau Siegen, Friedrich Wilhelms weltläufiger Berater, empfahl ihm, das "gantze Eyland" um Potsdam in ein "Paradies" zu verwandeln. Es entstanden drei kleine Lust- und Sommerschlösser mit prächtigen Gartenanlagen: Bornim, Glienicke und Caputh, verbunden durch breite Alleen und Sichtachsen. Zuvor hinterließ der Große Kurfürst das Gut Caputh seinem Generalquartiermeister und Architekten Philipp de Chieze, der hier einen fünfachsig-zweigeschossigen Bau mit Walmdach errichtete. Die Sanierungsarbeiten offenbarten, daß hier mehr vom Vorgängerbau erhalten ist als zunächst vermutet.Nach de Chiezes Tod kaufte der Große Kurfürst Caputh zurück und vermachte es seiner zweiten Gemahlin, Dorothea von Holstein-Glücksburg. Die Kurfürstin verwandelte das Landhaus in eine Sommerresidenz und erweiterte den Bau um vier weitere Achsen. Zwischen 1682 und 1685 folgten die beiden quadratischen Eckpavillons an der Südseite des Gebäudes, wodurch eine verkrüppelte Dreiflügelanlage entstand. Die restaurierte Fassade zeigt sich nun wieder in authentischer Farbgebung. Das rustizierte Sockelgeschoß, die gestockten Putzflächen der Attikazone und die Fensterrahmen kontrapunktieren im kräftigen Ocker den weißen Hintergrund. Von Rang sind die Deckengemälde und Stukkaturen sie zählen zu den letzten Zeugnissen brandenburgischer Dekorationskunst vor 1700.Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. erhielt Caputh seine Hauptattraktion, die Speisesaal-Verkleidung aus 7 000 blau-weißen holländischen Fayencefliesen. Durch Baufehler des 18. Jahrhunderts und ungünstige Deckenauflasten war dieser Raum besonders gefährdet; die Restauratoren konnten jedoch das Gewölbe durch eine Betonrippenkonstruktion stabilisieren. Mit Hilfe eines Hamburger Fliesensammlers gelang es sogar, rund 200 fehlende Kacheln mit Caputher Motiven nachzukaufen und damit die alte Pracht lückenlos wiederherzustellen.Mit dem Soldatenkönig endete die königliche Nutzung des Schlosses, es folgten gewerbliche Betriebe: eine Färberei für türkische Garne, eine englische Lederfabrik, Ende des 18. Jahrhunderts eine Baumschule im Schloßgarten. 1815 ging das Schloß in Privatbesitz über. Der Eigentümer Major von Thümen ließ um 1828 den Garten von Lenné in einen Landschaftspark verwandeln, der heute weitgehend wiederhergestellt ist. Nach 1945 diente Caputh als Berufsschule.Ein Segen, daß die Schlösser-Stiftung die diskutierte Nutzung als Hotel oder sogar Spielkasino abwehren konnte. Denn Caputh mit seiner barocken Raumdekoration überdauerte überraschend gut den Zweiten Weltkrieg wie die DDR und gibt jetzt eine lebhafte Vorstellung von dem, was in Berlin und Potsdam verlorengegangen ist.

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