Radfahren ist wieder schick, nicht nur am Vatertag oder in den Sommerferien, sondern auch im Alltag. Damit rückt auch das Fahrrad als Transportmittel wieder in den Blick. In deutschen Großstädten wie Berlin oder München jedenfalls tauchen Lastenräder immer öfter im Straßenbild auf, in Fahrradmetropolen wie Amsterdam oder Kopenhagen sind sie so selbstverständlich wie Straßenbahn und Taxi. Ob mit Kindern im Lastenkorb oder dem Kontrabass auf dem Weg zum Konzert.Was auf den ersten Blick sehr mühsam erscheint, überrascht im Selbstversuch: Einmal in Bewegung gesetzt, lassen sich auch schwere Lasten erstaunlich leicht bewegen -ein völlig neues, geradezu majestätisches Gefühl stellt sich ein, wenn man Lasten locker durch die Gegend fährt, die man alleine nicht einmal heben könnte. In der Industrie ist das nichts Unbekanntes. Dort werden Lastenräder nach wie vor eingesetzt, denn kein anderes Fahrzeug ist so effizient, flexibel und preiswert in der Logistik weitläufiger Firmengelände. Deshalb -und nicht aus Nostalgie -sind Briefzusteller wie die Deutsche Post dem Lastenrad treu geblieben. Hier und da hilft allerdings inzwischen auch schon mal ein Elektromotor als Zusatzantrieb, zumal in hügeligen Zustellbezirken.Der Reiz eines Lastenrades als Alltagsbegleiter liegt in seiner Praktikabiliät. Keine Parkplatzsuche, Transport von Tür zu Tür und das Verstauen der Lasten so wie vom Auto gewohnt: einfach alles ab in die Kiste oder den Lastenkorb, in dem immer öfter auch Kinder Platz nehmen, auf einer eingebauten Sitzbank und mit Regenverdeck für zentraleuropäisches Regenwetter. Natürlich muss das Lastenrad diesen Belastungen gewachsen sein. Gute und moderne Technik sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern erleichtert auch das Fahren. Ein stabiler Rahmen ist genauso wichtig wie ausreichend dimensionierte Bremsen und eine gute Schwerpunktlage, damit man leer wie voll beladen das Lastenrad immer sicher beherrscht.Beim klassischen Bäckerfahrrad entsteht durch das kleinere Vorderrad mehr Gepäckraum (bis zu 100 Liter), zudem liegt der Schwerpunkt so niedriger. Das beladene Rad ist dadurch leichter in der Balance zu halten. Die Packhöhe ist durch den Lenker begrenzt. Die maximale Last für den Gepäckträger liegt bei circa 50 Kilogramm. Moderne Varianten sind auch mit tieferem Durchstieg ohne Schlingern zu fahren -etwa die Räder Kemper Lorri plus und Speedbike.Für mehr Volumen und höhere Gewichte bis zu 100 Kilogramm ist der Tieflader geeignet. Solche Räder stemmen schon mal einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine, sie werden vermehrt auch von Fahrradkurieren benutzt.Das Vorderrad liegt vor der tiefergelegten Ladefläche. Wegen des tieferen Schwerpunkts fahren sich Tieflader deshalb mit größeren und schwereren Lasten bedeutend besser als das Bäckerrad oder auch dreirädrige Lastenräder mit starrer Vorderachse. Allerdings benötigen sie wegen des längeren Radstands auch einen größeren Wendekreis. Zum Lenken ist eine Lenksteuerstange zwischen Lenker und Vorderradgabel erforderlich, die sehr stabil ausgeführt sein muss -sonst wird das Fahrgefühl schnell schwammig. Übrigens: Moderne Modelle wie Kempers Filibus plus und das PackBernds sind besser zu fahren als der dänische Klassiker Long John, der seit acht Jahrzehnten beinahe unverändert gebaut wird. Der modernste Tieflader ist das Bullitt Cargobike, mit 22 Kilogramm Leergewicht kaum schwerer als manch ein Trekkingrad und mit einer geneigteren Sitzposition zudem relativ flott zu fahren.Die dritte Alternative sind sogenannte Backpacker-Lasträder mit der Ladefläche hinter dem Fahrer. Sie sind zwar noch selten, dem Fahrverhalten eines normalen Fahrrades kommen diese Modelle aber am nächsten. Die Sitzposition ist meist etwas sportlich geneigter, ohne dass Ladefläche verloren geht, und die Belademöglichkeiten sind vielseitiger, vor allem in Länge und Höhe, weil weder Lenkbewegungen noch die Sicht nach vorne eingeschränkt werden können. So lassen sich auch sperrige Gegenstände wie Surfbretter oder ganze Türen transportieren (Prana von Velonom, Mundo von Yuba). Zwei Kindersitze passen hintereinander und es gibt verschiedenstes Zubehör an Taschen und Trägern.Wer keinen Platz zum ebenerdigen Parken des Lastenrades hat, kann vieles auch mit einem Lastenanhänger transportieren, der sich bei Bedarf zusammenfalten und platzsparend abstellen lässt. Das Angebot reicht vom Einkaufs-Shopper mit Anhängerkupplung bis zum großen Kofferanhänger für den gewerblichen Einsatz.------------------------------Foto: Die Post ist da: Rad mit niedrigem Einstieg von SpeedbikeFoto: Das große Schwarze: Bäckerrad von MonarkFoto: Hinten statt vorne: Backpacker des Herstellers MundoFoto: Tieflader wie dieses Modell von Monark stemmen Lasten von bis zu 100 Kilogramm.