NEUKÖLLN. Spaß am Baden hatten zum Schluss nur noch die Ratten: Am Montagnachmittag verfügte der Bezirk mit sofortiger Wirkung, das Spaßbad Blub an der Buschkrugallee zu schließen. "Es ist akut von Ratten befallen", sagte gestern Gesundheitsstadtrat Michael Freiberg (CDU). Nach Beschwerden von Besuchern hatte er Kontrolleure in das Britzer Bad geschickt. Deren Bilanz: eine Ratte im Außenbecken, ein Rattenkadaver im Innenbecken, Rattenkot neben dem Babybecken und Vogeldreck im Restaurant. Angesichts dieser Zustände sei die Schließung die einzige Lösung gewesen, so Freiberg. Doch so richtig zu war das Blub gestern Vormittag nicht: Sauna und Fitnessbereich waren weiter in Betrieb. Ein Missverständnis, wie der Stadtrat versicherte: "Wir hatten ausdrücklich erklärt, dass alles geschlossen werden muss." Und weil das Amt davon ausgegangen sei, dass sich der Betreiber daran hält, sei niemand zur Kontrolle geschickt worden. Eine schriftliche Anordnung hatte der Betreiber erst gestern Nachmittag erhalten. Die Blub-Besucher schienen die Nachrichten über Ratten nicht zu irritieren. "Ich habe hier noch nie eine gesehen", erklärte einer. "Hier am Teltowkanal sind überall Ratten, auch abends auf der Straße, das ist normal", sagte hingegen Anwohnerin Regina Meier. Ursula Bode, die Pächterin der Massageabteilung des Blub, sah sich gar als Opfer einer Verschwörung: "Da hat uns jemand auf dem Kieker. In vielen Schwimmbädern sieht es viel schlechter aus." Es ist nicht das erste Mal, dass der Bezirk den Zustand des Bades moniert. Bereits im Jahr 2000 mussten Bereiche zwangsschließen. "Seit einem halben Jahr machen wir ständig Kontrollen", sagt Freiberg. "Die Kosten dafür stellen wir inzwischen auch dem Betreiber in Rechnung." Dieser könne den Badebetrieb erst wieder aufnehmen, wenn ein Schädlingsbekämpfer die Rattenplage beseitigt hat. Bis dahin müsse das ganze Haus zubleiben. Freiberg kündigte an, prüfen zu lassen, ob rechtliche Schritte gegen den Betreiber eingeleitet werden. Nach Auskunft von Robert Rath vom Landesamt für Gesundheit und technische Sicherheit ist Rattenbefall in einem Schwimmbad sehr selten. "Das ist außergewöhnlich", sagt er. Für den Betrieb eines Bades würden bestimmte hygienische und qualitative Ansprüche gelten und von den Bezirken einmal pro Jahr überprüft. Gecheckt werden müssen zum Beispiel Toiletten, Wasserleitungen, -qualität, Reinigungskonzept und Duschen. "Aber natürlich kommen Ratten schnell irgendwo hinein", sagt Rath. Blub-Betreiber Harald Frisch ist die Rattenplage peinlich. "Es ist schrecklich und hebt unser Image natürlich nicht." Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass das 17 Jahre alte Bad vor dem Aus steht. Seit Jahren sinkt die Zahl der Besucher, das Bad ist nicht mehr zeitgemäß. Doch von einem Ende will Frisch nichts hören: An den Plänen, das Blub für fünf Millionen Euro umzubauen, halte er fest, sagt er. "Die Finanzierung steht in großen Teilen." Die Rattenplage will er so schnell wie möglich beseitigen und noch im Dezember wieder öffnen.Foto: BERLINER ZEITUNG / MICHAEL BREXENDORFF Ende des Badevergnügens: Das Blub ist wegen Rattenbefalls geschlossen.