Die freie Sandfläche ist gut von der S-Bahntrasse am Bahnhof Zoo zu erkennen: Dort sollte sich einmal Europas größtes Riesenrad drehen. Doch das 175 Meter hohe Great Berlin Wheel wird wohl eines der Großprojekte bleiben, die in der Hauptstadt nie über das Ideenstadium hinausgekommen sind - wie die Arena des finnischen Investors Harkimo in Spandau, ein Ski- und Wasserspaß-Center in Marienfelde oder die Universität für yogische Flieger auf dem Teufelsberg.Offen mag allerdings noch keiner das Riesenrad-Projekt für gescheitert erklären. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte jüngst bei einer Tour durch die City West gesagt: "Es war ein Risiko, das wussten alle von Anfang an." Dennoch seien alle begeistert gewesen. Nun aber hat sich nicht nur Jahr für Jahr der Baubeginn verschoben, sondern die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen drei Manager von Riesenrad-Projektgesellschaften wegen des Verdachts der Untreue. Die Staatsanwaltschaft habe Anzeigen von Anlegern erhalten und werte jetzt Unterlagen aus, sagte Sprecher Martin Steltner gestern. Es gehe um "mehrere Millionen Euro", die in den Mittleren Osten, den Fernen Osten und in die Karibik geschleust worden sein sollen. Die Manager bestreiten die Vorwürfe.Ungeachtet der Skepsis in der Stadt will der Investor DBM Fonds Invest, der zur Delbrück Bethmann Maffei AG gehört, am Projekt festhalten. Die Fondsgesellschaft hat den etwa 10 000 Kleinanlegern, bei denen 208 Millionen Euro für drei bisher nicht existente Riesenräder (Peking, Orlando, Berlin) eingesammelt wurden, das Angebot gemacht, ihre Anteile durch ein eigens dafür gegründetes Unternehmen zurückzukaufen. Die Offerte, bei denen die Sparer 60 beziehungsweise 85 Prozent ihrer Beteiligungssumme zurückerhalten, galt bis zum 23. April. Nach Mitteilung von gestern haben nach einer ersten Übersicht mehr als 75 Prozent der Eigner das Angebot angenommen. Damit werden diese etwa 100 Millionen Euro erhalten - ein Verlustgeschäft. Christian Harreiner, Geschäftsführer DBM Fonds Invest, sieht die Auszahlung der Kleinsparer als "ein faires Angebot". Für die Investoren sei sie die Gelegenheit, die Kräfte zu bündeln. "Jetzt konzentrieren wir uns auf das wahrscheinlichste Projekt, auf Berlin", sagt er. 70 Millionen Euro werden für das Rad am Zoo noch gebraucht, Gespräche mit Banken und Baufirmen würden in den nächsten Monaten weitergeführt. Und wenn diese wieder scheitern? "Dann haben wir sehr, sehr viel Geld für ein Grundstück in Berlin ausgegeben", sagt Harreiner.Denn für das 13 000 Quadratmeter große Areal an der Hertzallee wurden 25 Millionen Euro bezahlt. Von der Hälfte des Geldes bekam der Zoo einen neuen Wirtschaftshof, der Rest floss in den Landeshaushalt. Laut Kaufvertrag ist der Investor verpflichtet, das Riesenrad bis zum 30. November 2011 zu errichten. Ansonsten kann das Land eine Vertragsstrafe geltend machen oder neun Monate später vom Vertrag zurücktreten. "Berlin könnte das Gelände dann zurückkaufen", sagt Daniel Abbou, der Sprecher der Finanzverwaltung. "Aber das Land muss das nicht tun." Egal ob das Rad gebaut werde oder nicht: "Berlin hat ein gutes Geschäft gemacht.""Noch ist das Aus nicht gegeben", sagt Petra Rohland, die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Allerdings würden kaum Probleme mit einer neuen Nutzung entstehen, falls der Finanzsenator die Fläche zurückkaufe: "Die Entwicklung der City West ist einer der Schwerpunkte unseres Hauses." Es seien für den Bereich auch andere Varianten denkbar, zum Beispiel eine Erweiterung der Technischen Universität: "Geheimpläne liegen bei uns aber nicht in der Schublade. Wir warten jetzt erst einmal ab."------------------------------Foto (2): Traum und Wirklichkeit: 175 Meter hoch sollte das Great Berlin Wheel werden, 30 Meter höher als das London Eye. Das Aussichtsrad gehört zu zwei weiteren Projekten, die durch den Fonds Global View realisiert werden sollten. Vom Rad in China steht nur das Fundament, in Orlando (USA) wurde nur das Grundstück gekauft. Das Areal in Berlin kostete 25 Millionen Euro. Von der Hälfte des Geldes bekam der Zoo einen neuen Wirtschaftshof (r.,hinten). 2009 wurde das Areal von Munition aus dem 2. Weltkrieg beräumt. Seitdem passiert nichts.