Es geht auch andersherum. Man kann für Theater Millionen ausgeben, man kann aber damit auch Millionen verdienen. So viel, dass es reicht für die Ausstattung einer eigenen Bühne in bester Berliner City-Lage, na ja - fast. Und gemeint ist nicht das Musicalgeschäft eines Multimillionärs, sondern reines Sprechtheater. "Caveman", dieser Monolog über Missverständnisse zwischen Männern und Frauen, gehört noch irgendwie in die Kategorie Theater, aber es ist die Ausnahme schlechthin: Weil es ein Ein-Mann-Stück ist, weil es ein so bescheidenes Bühnenbild braucht, weil es beinahe in jedes Theater passt. Verglichen mit Stadttheater kostet es lächerliche Summen.Außerdem bietet das nahe bei der Comedy angesiedelte Stück hoch amüsante Unterhaltung für jedermann, also für jeden, der sonst nicht ins Theater geht. Und den Theatergänger schreckt "Caveman" nicht grundsätzlich, weil sich hinter dem stundenlangen Monolog auch eine künstlerisch äußerst respektable Leistung verbirgt. Und weil der von herzlichem und lauten Lachen begleitete Witz dieser Vorstellung eine seltsam ansteckende Wirkung hat. Verglichen mit Mario Barth, der wie andere auf demselben Feld erntet, sind die Pointen in "Caveman" überdies eine intellektuelle Spitzenleistung.Acht Millionen Menschen haben das Stück des Amerikaners Rob Becker weltweit gesehen. Seit 1991 läuft es am Broadway. Die zweitgrößte Besuchergemeinde befindet sich in Deutschland, wo es heute vor zehn Jahren erstmals aufgeführt wurde. Seitdem hatte es 3,5 Millionen Zuschauer - fast so viele wie der Friedrichstadtpalast mit seinen 1 800 Plätzen in dieser Zeit -, verdiente aber dabei schätzungsweise 35 bis 40 Millionen Euro.Solche Summen wecken naturgemäß Begehrlichkeiten, daher gibt es Streit. Der ist kompliziert und gemein, aber nicht uninteressant. Er hat Gewinner und Verlierer. Die Geschichte beginnt Ende der 90er- Jahre in Island, wo sich der Regisseur und Schauspieler Jón Tryggvason in das Stück verliebt, es aber nicht aufführen darf, weil die Rechte für Nordeuropa schon vergeben waren. Aber die für Deutschland sind noch frei, 25 000 Dollar sollen sie kosten. Trygvason gründet die Firma Theater-Mogul, verbündet sich in Deutschland mit Falk Walter von der Arena, um "Caveman" hier zu produzieren und zu zeigen. Esther Schweins wird von Walter in einem Café angesprochen und übernimmt die Regie, der Schauspieler Kristian Bader übersetzt, aus der Stand-up-Comedy-Vorlage entsteht ein Stück und wird auf den Weg geschickt.Die Leute lieben es sofort. In seiner besten Zeit waren deutschlandweit 18 Schauspieler und Bühnenbilder unterwegs, 81 Orte steuerte "Caveman" an. Walter, ein gefürchteter Perfektionist, will alles richtig machen. Eigentlich ein Kreativer und ein Gegner jeglicher Wiederholungsware, achtet er darauf, dass das Stück seinen Charme behält, die Leute nicht einfach durchgeschleust werden. Er wählt die Theaterräume mit Bedacht aus, sorgt für Wanderbewegungen statt monatelanger Stationierung am selben Ort, setzt auf Mundpropaganda statt auf massive Werbung - "Caveman" sollte für den Besucher eine Entdeckung bleiben. Falk Walter: "Das Stück erwies sich als Phänomen, das Menschen fröhlich macht. Erst trottet der Mann seiner Frau hinterher, dann verlassen sie das Theater Arm in Arm. Paartherapeuten schickten ihre Patienten. Wir haben das Stück, das ständig ausverkauft war, liebevoll behandelt."Das hatte es auch verdient, denn es erwies sich als hochprofitabel. Falk Walter: "24 Millionen Euro habe ich nach Island überwiesen. Meine Gewinne sind in die Arena geflossen, in den Admiralspalast, in den Bau des Badeschiffs. Das hätte ich mir sonst alles nicht leisten können, ,Caveman' war meine eierlegende Wollmilchsau." So ging das, bis Falk Walter im Sommer 2009 von den Gewinnen abgeschnitten wurde. Was war passiert?Falk Walter und Theater Mogul hatten im Jahr 2000 einen Kooperationsvertrag als Produzenten geschlossen. Aber bei den Überweisungen der Gewinne nach Island fielen 25 Prozent Ausländersteuer an. Das gefiel Tryggvason nicht, und so sannen Steuerberater nach Alternativen. Falk Walter ließ sich auf einen Lizenzvertrag ein. Für ihn änderte sich nichts, aber für den Fiskus. Zwischenzeitlich erwarb Theater Mogul die Weltrechte an "Caveman" - dem Vernehmen nach für 18 Millionen Euro - und Tryggvason verkaufte die Firma an einen Publikumsfonds.Die neuen Eigentümer waren nun nicht mehr die alten Freunde, sie kündigten den Lizenzvertrag bei erster Gelegenheit. Falk Walter: "Ich hätte den Kooperationsvertrag nie ändern dürfen, das war ein Fehler. Die neuen Eigentümer sind das, was man unter einer Heuschrecke versteht. Sie haben zunächst eine Mitarbeiterin von mir abgeworben, dann den Vertrag gekündigt. Natürlich war das unfassbar ungerecht, und ich habe den Vorgang vor Gericht gebracht. Theater Mogul hat zugegeben, dass es ihnen nur um Gewinnoptimierung geht. Ich hatte trotzdem keine Chance." Stefanie Leinert von Theater Mogul sagt, man sei Walter dankbar für die Zusammenarbeit, die Trennung erfolgte aus "unglücklichen geschäftlichen Gründen". Nähere Angaben wolle man nicht machen.Falk Walters Unterhaltungsbetriebe sind ins Schleudern geraten, seit die "Caveman"-Einnahmen ausblieben: im Admiralspalast wurde ein Streit über Mietschulden öffentlich, gegen die Arena lief ein Insolvenzantrag durch eine Finanzbehörde, der wieder zurückgezogen wurde. Walter ist sicher, seine Unternehmen künftig auch ohne Finanzspritzen in erfolgreiche Fahrwasser schiffen zu können. Vor zehn Jahren wollte er noch andere Inszenierungen der Kategorie "Caveman" auftreiben. Aber dieser Coup ist ziemlich einmalig. Indessen sind die Zuschauerzahlen nach so langer Zeit am Sinken. Heute feiert Theater Mogul 10 Jahre "Caveman" in Deutschland im Chamäleon.------------------------------Foto: Falk Walter hat "Caveman" in Deutschland zum Laufen gebracht.