Das Konzept klang genial - ein Radiosender nur für Kinder unter 14 Jahren, die bislang von den privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern nur marginal bedient wurden. "Radio Teddy - Deutschlands erstes Kinder- und Familienradio" ging am 5. August 2005 mit einer großen Party auf dem Gelände des Potsdamer Filmparks auf Sendung - der Filmpark ist mit 50,1 Prozent an "Radio Teddy" beteiligt. Die Macher rund um die ehemaligen "Hundert,6"-Moderatoren Uli Köhler und Uwe Schneider versprachen ihren jungen Hörern viel Live-Programm, Aktionen, Konzerte, Mitmachsendungen, Kinderhörspiele und vieles mehr. Abends ab 20 Uhr sind bei "Radio Teddy" Familien die Zielgruppe: Dann gibt es eine Art "Elternsprechstunde" mit Anrufen von Eltern, die die Sorgen und Nöte mit ihren Kleinsten schildern, und sich gegenseitig Tipps geben.Das Konzept ging zunächst auf: 20 000 Hörer verzeichnete "Radio Teddy" (Slogan: "Mein erstes Radio") bereits nach einem Jahr Sendebetrieb laut offizieller Medienanalyse (MA), die jedoch nur die Hörer ab 14 Jahren mitzählt, die Zahl stagnierte bei der letzten MA bei 23 000. Darüber hinaus macht "Radio Teddy" eigene Untersuchungen, diese ergaben, dass rund 380 000 Kinder und Erwachsene täglich einmal "Radio Teddy" hören - die Zahl erscheint aber laut Branchenschätzungen übertrieben.Ganz so gut scheint es tatsächlich nicht zu laufen, denn nun zogen die Gesellschafter Konsequenzen. Die Geschäftsführung übernahm vor einigen Wochen die BB-Radio-Chefin Katrin Helmschrott. BB-Radio ist über die "IR Holding GmbH" bislang mit 34,9 Prozent an "Radio Teddy" beteiligt. "Es geht jetzt darum, dass dieses deutschlandweit einzigartige Kinderradio schwarze Zahlen schreibt", sagt Katrin Helmschrott.Problem bei "Radio Teddy": Die Macher hatten sich zum Sendestart eine Selbstbeschränkung auferlegt, wonach weniger Werbung gesendet wird als in der Branche üblich - normal sind bei anderen Sendern bis zu zwölf 12 Minuten Werbung in der Stunde. Auch alle suchtgefährdenden Produkte wie Alkohol oder Medikamente sind bei "Radio Teddy" tabu.Doch das Problem von "Radio Teddy" ist ohnehin nicht zu viel, sondern viel zu wenig Werbung. Da man der Medienanstalt in bestimmten Sendestunden 60 Prozent Wortanteil zugesagt hatte, sind die Kosten des Senders höher, als bei so manch anderer Musikabspielstation. "60 Prozent Wortanteil ist natürlich eine ganze Menge", sagt Ingeborg Zahrnt, Justiziarin bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), die "Radio Teddy" lizenziert hat. "Die kamen damals mit der Erwartung, das Konzept des Senders wäre so genial, dass man in ein, zwei Monaten in der Gewinnzone sei", erinnert sich Ingeborg Zahrnt. Das hat sich im Nachhinein als Irrtum herausgestellt.Obwohl "Radio Teddy" nicht nur in Berlin und Brandenburg, sondern auch per Astra Digital europaweit ausgestrahlt wird, ist der Weg in die Gewinnzone noch weit: In Internetforen wurde bereits über die Entlassung von Mitarbeitern und teilweise aufgezeichnetem, automatisiertem Programm (sogenanntes "Voice-Tracking") spekuliert. Katrin Helmschrott dementiert jedoch derlei Pläne: "Kein Hörer wird die strukturellen Veränderungen bemerken." Alle beliebten Stimmen blieben im Programm, es gehe nun vor allem darum, den Sender dank der Erfahrung von "BB Radio" besser zu vermarkten. Man sei sicher, "Radio Teddy schnell auf wirtschaftlich stabile Füße" zu stellen.Gelingen soll dies auch durch noch mehr Interaktivität: Die Kinder werden noch stärker per Telefon oder Internet am Programm beteiligt, etwa auch im neugestarteten "Radio Teddy Wunschkinder-Club", der Musikwünsche erfüllt. Ob das reichen wird, in die Gewinnzone zu kommen, wird man in der Branche beobachten - noch einmal zweieinhalb Jahre Zeit wird der Sender dafür kaum haben.------------------------------"Kein Hörer wird die strukturellen Veränderungen bemerken." Katrin Helmschrott, neue "Radio Teddy"-Chefin------------------------------Foto: "Radio Teddy" sendet für bis zu zwölfjährige Kinder. Die sollen nun stärker ins Programm einbezogen werden.