Das Hoheitszeichens ist in einer schlichten Montagehalle untergebracht. Hinter Planen hängt der neue Bundesadler für den Reichstag. Es riecht nach Lack. Der imposante Vogel aus Aluminium erhält gerade eine Schutzschicht gegen Korrosion. Josef Trendelkamp ist mit seinem Werk zufrieden. Der Chef einer mittelständischen Metallbaufirma im münsterländischen Nordwalde, 500 Kilometer von Berlin entfernt, hat den Bundesadler in nur vier Monaten gefertigt. Am Wochenende soll das Hoheitszeichen in die Hauptstadt gebracht werden.Die Berliner Republik bekommt einen größeren Adler als die Bonner Republik. Der Bundesadler reicht bis unter die Decke der Fertigungshalle. 6,80 Meter ist er hoch, seine Spannweite beträgt 8,50 Meter, und er wiegt fast 2,5 Tonnen. Mit einer Fläche von 57,8 Quadratmetern ist er größer als manch eine Berliner Wohnung und um 20 Quadratmeter größer als sein Vorgänger, der in Bonn hängt. Und der stammt auch schon aus der Halle von Josef Trendelkamp.Auf alte Vorlagen zurückgegriffen1991 hatte Trendelkamp die Ausschreibung für den Adler im Bonner Bundestag gewonnen. Deswegen konnte er auf die Vorlagen von damals zurückgreifen. "Wir mußten nur das Computerprogramm ein wenig aktualisieren, die Zuschnittsformen waren schon eingegeben", sagt Trendelkamp. Reichstagsarchitekt Sir Norman Foster hatte ursprünglich der "fetten Henne", wie der Bundesadler im Volksmund heißt, eine Schlankheitskur verordnen wollen. In Hunderten von Entwürfen wurde der Adler immer schmaler, immer graziler. Am Ende war aus der fetten Henne ein mageres Hühnchen geworden. So sollte das Hoheitszeichen des neuen Parlaments der neuen Republik in Berlin aber nicht aussehen. Da waren sich die Mitglieder der Bundestags-Baukommission einig. Also griff man auf Altbewährtes zurück. Man nahm die Entwürfe des Bildhauers Ludwig Gies als Vorbild, eben wieder die "fette Henne". Aber Foster durfte dann doch noch ran. Weil das Wappentier im Reichstag vor einer Glaswand hängt, mußte ihm noch eine Rückenansicht gegeben werden. Die entwarf das Büro Foster.Der künstlerische Disput ist nicht die Welt von Josef Trendelkamp. Der Macher sieht den Adler eher pragmatisch. "Wir müssen ihn jetzt noch in drei Teile zerlegen, damit wir den Bundesadler durch die Türen in den Reichstag transportieren können." In der Firma ist man eher unsanft mit dem Wappentier des Bundestags umgegangen. Der Vogel wurde sogar mit Füßen getreten. Ralf Reher berichtet, daß er mit einem Sandstrahl die Oberfläche behandeln mußte, auf der noch Fußspuren zu sehen waren. Nach dieser Sandstrahldusche ist die Oberfläche aber wieder glatt. Kein Bundestagsabgeordneter wird sehen, wie mit dem Bundestagsadler umgegangen wurde.Normalerweise fertigt Josef Trendelkamp Maschinen für die Kunststoffproduktion oder Stahlkonstruktionen für die Außenwände von Hochhäusern. Aber sein 60-Mann-Betrieb hat auch schon einen Wintergarten für den Kreml oder zwei überdimensional große, sich kreuzende Schwerter für den Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad gefertigt. "Solche Extraproduktionen sind mein Hobby", sagt Trendelkamp. Über die Kosten für sein Hobby Bundesadler schweigt er sich aus. Das Hoheitszeichen sei im Preis von 600 Millionen Mark für den Gesamtumbau des Reichstags enthalten, sagt Claudia Lemhoefer von der Bundesbaugesellschaft.Zu dem Projekt Bundesadler fühlt sich Trendelkamp auch persönlich berufen. Und das hat seinen guten Grund: Trendelkamp wurde am 23. Mai 1949 geboren, dem Tag an dem das Grundgesetz verabschiedet wurde.