Das ZDF widmet sich mal wieder Stauffenberg, diesmal ganz ohne Anlass: Ein typischer Knopp

Es ist ja nicht so, dass das Wirken von Claus Schenk Graf von Stauffenberg bislang unzureichend im Fernsehen gewürdigt wurde. Dafür hat das ZDF seinen Guido Knopp, und die ARD hat Sebastian Koch, der alles wegspielt, was deutsche Geschichte hergibt. Koch war Andreas Baader und Albert Speer, Klaus Mann, Richard Oetker und eben auch schon Stauffenberg. Vor fünf Jahren und wie nunmehr üblich einiges vor dem 60. Jahrestag des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 gab es den Koch-Film und das Knopp-Dokudrama zum Thema.Nun offeriert Guido Knopp ein weiteres Dokudrama über Stauffenberg. Diesmal gleich ohne jeden Anlass, denn Tom Cruise mit Augenklappe ab nächste Woche im Kino darf ja wohl kein hinreichender Anlass sein. Dafür ist das neue Knopp-Stück sogar zweiteilig und verspricht nicht weniger als "Die wahre Geschichte". Keine Ahnung, was Knopp bislang erzählt hat.Der Zweiteiler jedenfalls versammelt wieder jede Menge Zeitzeugen, davon einige gute und mittlerweile auch alte Bekannte wie den Mitverschwörer Ewald von Kleist und den Mitwisser Richard von Weizsäcker. Größere Enthüllungen haben sie nicht zu vermelden, so dass aus dieser Ecke keine Neuschreibung der Attentatsgeschichte zu erwarten ist. Dafür gibt es nochmal die Schnurre, dass Stauffenberg Frauen für ein notwendiges Übel hielt, wie er seiner künftigen Schwiegermutter aufmunternd zurief. "Krieger sollten nicht heiraten. Aber im Frieden muss dem Bedürfnis nach Familie genügt werden." Dass Stauffenberg nur den Großen Friedrich zitiert, erwähnt der Sprecher nicht.Kann er auch nicht, denn der Sprecher ist sehr damit beschäftigt, in jedem Satz einen Gedankenstrich unterzubringen. So wie es seit einiger Zeit schick scheint, am Satzende die Stimme ein wenig zu heben und damit jeder Feststellung ein leises Fragezeichen zu verleihen. Beides ist ärgerlich und unnötig, in den Gedankenstrichsätzen des Sprechers kommt erschwerend hinzu, dass es oft mehr Striche als Gedanken sind.Ansonsten ist es ein typisches Dokudrama von Guido Knopp, wenig Doku, viel Drama. Vor allem der zweite Teil der wahren Geschichte, der das Attentat schildert, besteht zum großen Teil aus nachgestellten Spielszenen. Die sind im ersten Teil, der sich der Person Stauffenberg widmet, nicht ganz so vordergründig. Und doch stammt die berührendste Szene von einem Zeitzeugen aus dem zweiten Teil. Rudolf Kuphal hat, wie einige Zeitzeugen, schon ein Kreuz an seiner Namenseinblendung. Am Abend des 20. Juli hat er an der Erschießung von Stauffenberg und den anderen im Bendlerblock teilnehmen müssen. "Das kann man in dem Moment gar nicht verarbeiten", sagt er. "Die Seele wird krank, sie leidet." Dann schüttelt er den Kopf und weint.Stauffenberg - Die wahre Geschichte, 20.15 Uhr, ZDF, 2. Teil nächsten Di.------------------------------Foto: Das ZDF-Dokudrama verspricht "Die wahre Geschichte" und liefert doch nur viel Drama und wenig Doku.