Manfred Zemaitat, der Präsident von Hertha BSC, konnte es nicht lassen. Der Rechtsanwalt, dem ansonsten eine Diskriminierung eines der fußballspielenden Zweitliga-Gegner fremd ist, rief dem Auditorium zu: "Jetzt oder nie - sonst spielen wir im Jahr 2 000 immer noch in Meppen." Solch Worte fand er 1995 auf einer Mitgliederversammlung seines Vereins. Die blau-weißen Herthaner lachten. Wer will schon nach Meppen? Stundenlange Anfahrten bis kurz vor die holländische Grenze. Der nächste Flughafen (Münster) liegt rund 80 Kilometer entfernt. Wiesen, Weiden, Kühe und Fans, die in schlammigen Gummistiefeln das idyllische Emslandstadion bevölkern. Meppen Schaut man in die Statistik der bisherigen Begegnungen des SV Meppen (seit 1987 in Liga zwei) mit Hertha BSC, kann man das "nie mehr nach Meppen" auch noch anders interpretieren. Im Emslandstadion mit seinen 15 600 Plätzen gelang Hertha erst ein Sieg. Viermal trennte man sich Unentschieden, viermal verlor man sogar das Duell Hauptstadt contra Provinz. Und im Vorjahr, kein Berliner möchte daran erinnert werden, holten die Meppener mit 4:1 einen Sieg im Olympiastadion. Pfingstmontag, 17.30 Uhr, ist es wieder so weit: Hertha - Meppen, Hauptstadt - Provinz.Man muß den Berlinern zugute halten, daß nicht sie es waren, die die Mär von den "Gummistiefel-Anhängern, von ewigen Radfahrern und Torfstechern" ins Leben gerufen haben. Es war vielmehr ein Kölner. Sein Name: Toni Schumacher, Ex-Nationaltorhüter. "Ich spiele doch nicht in Meppen, da gehe ich lieber in die Türkei!" Schumacher sagte das 1988, den Abstieg mit Schalke 04 vor Augen. Die friedlichen Emsländer reagierten und Spediteur Többe schickte einen Lkw vor Schumachers Haustür mit der Aufschrift: "SV Meppen - das Fußballerlebnis.""Wir sind jetzt zehn Jahre in der zweiten Bundesliga, da ist irgendwann der Aufstieg fällig", sagt Manager Gerd van Zoest, der schon über dreißig Jahre die Geschäfte des reinen Fußballvereins mit gut 600 Mitgliedern führt. "Aber in dieser Saison haben wir den Aufstieg abgehakt", meint van Zoest, wohl wissend, daß er sich damit den Zorn des Trainers Paul Linz zuzieht. Linz hat die Parole ausgegeben: "In Berlin gewinnen und weiter im Kampf um Platz drei gut dabei sein."Während Linz vom Aufstieg träumt, plant sein Manager akribisch die kommende Zweitliga-Saison. Sechs Millionen Mark betrug der Etat in der zu Ende gehenden Serie (Hertha BSC: 16,5 Millionen), 1997/98 sollen es acht Millionen sein (Hertha plant in der ersten Bundesliga mit rund 29 Millionen Mark). "Wir leben von unseren Zuschauereinnahmen und den TV-Geldern", sagt van Zoest. Dazu kommen Gelder vom Hauptsponsor Elektra-Beckum, einer ortsansässigen Maschinenfabrik mit 600 Mitarbeitern, und dem Co-Sponsor Berentzen.Immerhin pilgerten im Schnitt bisher 9 500 Zuschauer zu den Heimspielen des SV ins Emslandstadion. Montag-Gegner Hertha BSC kommt bisher auf einen Besucherschnitt von 16 432. Setzt man die Einwohnerzahlen ins Verhältnis (Meppen: 34 000; Berlin: 3,6 Millionen) kann sich das Zuschauerverhalten der Emsländer sehen lassen. +++