Sie war die Aufpasserin von Amts wegen. Claudia Schmid kontrollierte als Datenschützerin den Umgang des Verfassungsschutzes mit seinen zusammengetragenen Daten. Nun wird die 44-jährige Juristin selbst oberste Datensammlerin. Ab Januar wird sie die Abteilung Verfassungsschutz in der Innenverwaltung leiten. Damit steht zum ersten Mal eine Frau dem Berliner Verfassungsschutz vor. Ihr Vorgesetzter, Innensenator Eckart Werthebach (CDU), steckte auch sogleich die Ziele ab. "Die Aufgabe von Frau Schmid wird nun nicht mehr die Pflege der personenbezogenen Daten sein. Sie muss eine Durchdringung der Extremismus- und Spionage-Szene erreichen", sagte Werthebach und offenbarte damit indirekt die bisherigen Mängel des Landesamtes für Verfassungsschutz. Die Behörde war wiederholt durch Pannen und Versäumnisse aufgefallen. Unter anderem hatte sie vor zwei Jahren nicht vor der Erstürmung des israelischen Generalkonsulats durch aufgebrachte Kurden gewarnt. Bei der Aktion waren vier Kurden von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden. Solche Pannen sollen sich nicht wiederholen. Auch deswegen wählte Werthebach eine bisherige Kontrolleurin des Verfassungsschutzes als Chefin aus.Claudia Schmid, die der FDP nahe steht, hat bei der Umstrukturierung der Pannen-Behörde maßgeblich mitgeholfen. Sie beriet den Verfassungsschutz-Ausschuss bei Fragen des Umgangs mit Daten. Viel wollte die Juristin, die an der FU studierte und in der Senatsschulverwaltung, für das Abgeordnetenhaus, im Justiziat der Finanzverwaltung und seit 1990 in der Datenschutzbehörde arbeitete, noch nicht Preis geben über die Schwerpunkte ihrer neuen Arbeit. Sie wolle sich erst einmal ein Bild von der Sicherheitslage der Stadt machen, bevor sie sich zu Schwerpunkten ihrer künftigen Arbeit äußern werde, sagte die bisherige Datenschützerin. "An meinem Werdegang sehen Sie, dass ich flexibel bin und mich schnell einarbeiten kann." Sie sieht gute Chancen, in Berlin einen modernen Verfassungsschutz zu bilden. "Er wird effektiv, rechtstaatlich und transparent arbeiten", kündigte die geborene Berlinerin an. Unter Transparenz versteht sie mehr Kontrolle innerhalb der Behörde, aber auch mehr Öffentlichkeitsarbeit in Schulen, Volkshochschulen und anderen Bildungseinrichtungen. "Wir wollen die Bürger aufklären über die Gefahren, die der demokratischen Grundordnung drohen", sagte Schmid.Diese Ankündigung korrespondiert mit den Absichten von Innensenator Eckart Werthebach, der aus der ehemaligen Datensammelbehörde eine Abteilung machen will, die wissenschaftliche Analysen zur Bekämpfung des Rechts- und Linksextremismus in der Stadt erstellt. Lob für die Personalentscheidung kam vom Koalitionspartner. "Mit Frau Schmid laufen wir nicht Gefahr, dass die alten Seilschaften in der Behörde weiter existieren", sagte der Verfassungsschutz-Experte der SPD, Klaus-Uwe Benneter. Diese Seilschaften waren verantwortlich für diverse Skandale, wie die falsche Behauptung eines Ex-Stasi-Spitzels, ein hoher Polizeibeamter sei ein Scientologe.Gegen diesen Klüngel innerhalb der Behörde wollen der Innensenator und seine Verfassungsschutzchefin mit neuem Personal angehen. Aus 2 500 Bewerbern werden sie in den kommenden Wochen 200 Verfassungsschützer für die neue Abteilung aussuchen."Ich will Transparenz und Kontrolle." Claudia Schmid