Als im Mai 1744 die italienische Tänzerin Barbarina Campanini ihr Debüt Unter den Linden gab, war dieser Auftritt nicht ganz freiwillig. Friedrich II., der für seine Hofoper eine gute Tänzerin schmerzlich vermißte, hatte die in Paris und London Erfolge feiernde Campanini mittels eines Haftbefehls und unter Aufgebot seiner besten Diplomaten nach Berlin schaffen lassen. Entführung würde man heute sagen. Der Liebhaber Lord Mackenzie wurde aus der Stadt gewiesen, für die Campanini ein fürstlicher Vertrag aufgesetzt, und Friedrichs Hofkomponist Carl Heinrich von Graun machte sich daran, für die Startänzerin besondere Balletteinlagen zu komponieren. So, wie es zuvor sein Kollege Jean-Philippe Rameau in Paris auch schon tat. Das Leben der Campanini und vor allem ihre bis heute nicht geklärte Beziehung zum Preußenkönig war sie seine Geliebte? bildet die Grundlage für ein Ballett, das im Rahmen der Wochen der Alten Musik im Apollo-Saal der Deutschen Staatsoper uraufgeführt wurde. Die Musik stammt von Graun, von Christoph Willibald Gluck und von Friedrich selbst. Gegeben wird zu den von der Berliner Akademie für Alte Musik aufgespielten Kompositionen: Theater im Theater. Das Libretto, vom Dramaturgen Thomas Wieck und dem Choreographen Donald Sutherland verfaßt, ist äußerst wirr und orientiert sich an dieser Sorte hausbackener Fernsehspiele, in denen Schauspieler in historischen Kostümen und in preußelndem Sprachduktus über das bedeutende Leben ihrer Figur im besonderen und über die Geschichte im allgemeinen unterrichten. In "Histoire des Pygmalion et Don Juan oder Le Roi s amuse" gibt der Schauspieler Rüdiger Kuhlbrodt den über Kunst und Krieg und Mannsein räsonierenden preußischen Klischee-Friedrich und Bettina Thiel die barfüßig und wild auftretende Campanini, der erst einmal ein Paar Spitzenschuhe verpaßt werden, auf daß sie ein wenig "Noblesse" lerne.Musikhistorisch mag Grauns "Pygmalion"-Komposition, die hier nach Handschriften aus der Berliner Staatsbibliothek gespielt wurde, interessant sein. Für ein Ballett, für ein komisches dazu, eignen sich die pastoral wirkenden Klänge des vor allem mit kirchlichen Kompositionen befaßten Graun wenig. Einen einleuchtenden Zugang hat der Choreograph Sutherland, der sich in einer modern-ironischen Interpretation versucht, nicht gefunden. Fürchterlich bezugslos schrammeln die billig-klamaukigen, an der Commedia dell arte orientierten Vorgänge auf der Bühne und die getragene Musik aneinander vorbei. Zu einigem Bewegungswitz findet Sutherland erst im zweiten, von Glucks "Don Juan"-Komposition dominierten Teil. Aber auch hier läuft die Handlung bald aus dem Ruder. Daß ein auch noch so sehr aufs Absurde zielendes Handlungsballett ein Minimum an Glaubwürdigkeit braucht, scheinen Sutherland und Wieck nicht bedacht zu haben. Vorstellungen am 3., 6., 10. und 14. Februar, Staatsoper (Apollosaal)