Als Schauspieler war er lange das, was früher "jugendlicher Held" geheißen hat. Alexander Lang, 1941 in Erfurt geboren und von 1963-66 an der Ernst-Busch-Schule ausgebildet, die damals noch nicht so hieß. Ein berühmter Jahrgang übrigens, zu dem auch Jenny Gröllmann, Renate Krößner und Hermann Beyer gehörten. Preußisches Gardemaß, schmal, blond. Seine hängenden Schultern verliehen den Figuren, die Lang spielte, eine spezielle Melancholie, ohne die nach 1945 dieser Typus nicht mehr zu haben war. Zum Beispiel der Prinz von Homburg in Alfred Dresens epochaler Inszenierung am Deutschen Theater von 1975: ein preußischer Held mit gebrochenen Flügeln.Ende der 70er Jahre, als Dresen in den Westen vertrieben worden war, nahm Lang als Regisseur am DT dessen Faden auf, untersuchte in seinen Inszenierungen die Geschichte seit 1789, die zum Glück zu wenden nicht gelungen war. Freilich viel greller und zugespitzter, als Dresen das je vermocht hätte.Es war eine fast neoexpressionistisch übersteigerte Spielart des Epischen Theaters, das Lang zwischen 1978 und 1986 am DT entwickelte - gemeinsam mit einer Gruppe von Schauspielern, zu deren Kern Christian Grashof, Michael Gwisdek, Katja Paryla, Dieter Montag, Roman Kaminski und Margit Bendokat gehörten. Berühmt ist 1981 besonders Langs Inszenierung von Georg Büchners traurigem Revolutionsdrama "Dantons Tod"geworden, die Danton und Robespierre als zwei Seiten einer Medaille beschrieb. So wurden sie damals von einem einzige Schauspieler gespielt: von Grashof, der diese Figuren als bibbernde, weinerliche Terroristen vorgeführte: heulende Antivisionäre, die eher einem Gemälde von Edvard Munch als einem Revolutionsdrama entsprungen zu sein schienen. Unvergesslich auch Alexander Langs Version von Grabbes "Theodor Herzog von Gothland", den wiederum Grashof spielte und in der schrillen Zuspitzung dieser Figur erfahrbar machte, dass es stets menschliche Schwäche ist, die zu den Katastrophen der Geschichte führt. Sie wählt eben nie Helden, sondern nur Schwächlinge zu ihren Protagonisten. In seiner "Trilogie der Leidenschaft" untersuchte Lang Mitte der 80er Jahre anhand von Euripides, Goethe und Strindberg den dialektischen Zusammenhang von Gefühl und Geschichte, ein Höhepunkt seiner Regiearbeit. Danach hatte auch Lang keine andere Möglichkeit mehr, als seine Arbeit im Westen fortzusetzen. Kammerspiele München, Thalia Theater Hamburg waren seine Stationen.Er gehörte dann bis kurz vor dessen Schließung zum Leitungsteam des Berliner Schiller-Theaters und kehrte danach noch einmal kurz ans Deutsche Theater zurück. Doch hatte die Wende auf beinahe gespenstische Weise seiner Arbeit die Rahmung entzogen, die sie benötigt hatte, um ihre Magie zu entfalten.In den letzten Jahren hat man Alexander Lang wieder häufiger als Schauspieler erlebt, in Inszenierungen von Thomas Langhoff zu Beispiel, wo man zuletzt in "Nachtasyl" sehen konnte, was für ein Akteur hier dem deutschen Theater verloren gegangen ist. Heute wir er siebzig Jahre alt.------------------------------Foto: Lang in "Nachtasyl" (2010 im BE)