Mit dem flächendeckenden Ausbau der Kinderkrippen in Deutschland und der Einführung des Elterngeldes 2007 verband die Ex-Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor allem eine Hoffnung: die Steigerung der desaströs niedrigen Geburtenrate. Sechs Jahre später steht fest, dass zumindest das Elterngeld nicht zum Babyboom geführt hat. Die Geburtenrate liegt statistisch bei rund 1,4 Kindern pro Frau. Und unter Experten ist umstritten, ob die vielen neuen Krippenplätze daran etwas ändern werden.

Skeptiker weisen darauf hin, dass Ostdeutsche in den vergangenen Jahren ähnlich wenige Kinder wie Westdeutsche bekommen haben, obwohl es in den neuen Ländern fast eine Vollversorgung mit Betreuungsplätzen vom zweiten bis zum zehnten Lebensjahr der Kinder gibt.

Die perfekten Eltern

Geld allein zeugt also offensichtlich keine Kinder. „Es ist ein Zusammenspiel von Maßnahmen, die viele Jahre brauchen, um zu wirken. Das zeigen internationale Vergleiche sehr deutlich. Es gibt nicht den singulären kurzfristigen Effekt“, erklärt Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB). Auch wenn die Möglichkeit, das Kleinkind in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreuen zu lassen, für berufstätige Eltern entscheidend ist: Für viele Frauen ist es nur ein Punkt unter mehreren.

Nach einer BIB-Studie sind es auch soziale und kulturelle Umstände, die Frauen davon abhalten, Mutter zu werden. So befürchten gerade hoch qualifizierte Frauen, dem gesellschaftlichen Ideal der „guten Mutter“ nicht gerecht zu werden, wenn sie trotz eines Kindes weiter arbeiten.

Ungeachtet aller Reden über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Überzeugung, dass Kinder sich nur optimal entwickeln, wenn sie zu Hause von ihrer Mutter versorgt werden, hält sich hartnäckig. 63 Prozent der für die BIB-Studie Befragten in Westdeutschland befürchten, ein Kleinkind leide unter der Berufstätigkeit der Mutter. In Ostdeutschland waren nur 36 Prozent dieser Meinung.

Immer mehr Frauen wollen diese alleinige Verantwortung für ein Kind nicht mehr übernehmen, wie das BIB festgestellt hat. Das Wissen, dass sie als Mutter mit großer Wahrscheinlichkeit finanziell abhängig von ihrem Mann sein werden, ist bei den Frauen sehr präsent. Gerade bei den gut ausgebildeten Frauen ist das eine hohe Barriere für die Familiengründung. Das Ergebnis ist: Sie bekommen keine Kinder, obwohl sie gerne welche hätten.

Die Studie führt aber noch einen weiteren Grund für die niedrige Geburtenrate an, für den die Politik unbestritten nicht verantwortlich ist: Der überbordende Perfektionismus, der sich nicht nur in den unzähligen Erziehungsratgebern, die es hierzulande gibt, widerspiegelt. Selbst bei der Kindererziehung will man alles richtig machen. Nirgendwo sonst fürchten Eltern so sehr, in der Erziehung zu versagen, haben die Forscher herausgefunden. Als Gegenmittel empfehlen sie mehr Gelassenheit.