Dahme-Spreewald. Nicht nur auf Feldern, Plantagen und in Gewächshäusern der Landwirte reifen die Früchte. Auch von kleinen Beeten und Bäumen in Privat-Gärten wird Obst und Gemüse geerntet und so mancherorts gleich vor dem Gartenzaun zum Kauf angeboten.Sie stehen wieder an der Straße: Kleine Tische mit ein paar Bund Möhren oder Zwiebeln, mit Kirschen, Honig, Blumen. Kartoffeln gibt's häufig "hinten im Hof". In Hoherlehme verspricht ein Schild "tagfrische Eier". Kunden aus dem vergangenen Jahr warten vielleicht schon auf die "Äpfel aus biologischem Anbau" aus der Zeesener Eisenbahnstraße. Die angebotenen Mengen sind in der Regel klein, je nachdem, was der Garten abwirft.2 000 Quadratmeter ist das Grundstück von Familie Jürgensen in KW groß. Auf rund der Hälfte wird Obst und Gemüse angebaut. Ein Teil davon wird zum kleinen Preis vor der Gartentür verkauft. Mit dem Erlös werden Pacht und Wasser bezahlt oder er wird für anfallende Instandhaltungsmaßnahmen zurückgelegt. Imkerei als Hobby "Imkerei bringt keinen Verdienst", sagt Klaus Zimmermann. Der Rentner bietet in der Zeuthener Straße in Eichwalde fünf Sorten Honig an. Seine 49 Bienenvölker würden zwar fleißig Honig sammeln. Doch die Einnahmen aus dem Verkauf flössen zurück in das aufwendige Hobby. Beispielsweise, wenn Zimmermann im Winter zufüttern muß.Die pflegeintensiven Bienen bewahren Zimmermann davor, Steuern ans Finanzamt abzuführen. Erwerbstätige müßten für ihren Nebenverdienst ab 800 Mark Überschuß jährlich (Rentner ab 500 Mark) Steuererklärungen einreichen, ist aus dem Brandenburger Finanzministerium zu erfahren. Doch dort würde man sich eher um die "großen Fische" kümmern. Kleinverkauf an der Straße sei uninteressant.Beim Gewerbeamt angemeldet werden muß dieser Straßenverkauf nicht, so die Auskunft aus dem Landratsamt. Produkte aus der Imkerei, der Fischerei, des Gartenbaus und der Landwirtschaft dürfen vom Erzeuger direkt an den Kunden gebracht werden. Vom eigenen Feld, vorm Grundstück oder Gehöft.Zieht ein Erzeuger damit über Land, so kann es schon mal Ärger geben. Wie in Friedersdorf, als sich ein Produzent mit einem Wagen voller Obst und Gemüse aufbaute und der Konkurrenz auf dem Markt direkt nebenan den Umsatz schmälerte."Marktbetreiber beschwerten sich", sagt Doris Damm vom Friedersdorfer Ordnungsamt. Die daraufhin durchgeführte Kontrolle ergab, daß alles Rechtens war. Der "Eindringling" habe eine ordnungsgemäße "Reisegewerbekarte" vorweisen können. Keine Überwachung Reisegewerbekarten werden in den Ordnungs- oder Gewerbeämtern ausgestellt und kosten unbefristet zwischen 40 und 400 Mark. Ob der Antragsteller an der unteren oder oberen Grenze eingruppiert werde, dafür ist der "Ermessensspielraum" der einzelnen Beamten recht groß, ist aus dem Mittenwalder Amt zu erfahren.Hygienisch überwacht werde dieser Straßenverkauf von Lebensmitteln nicht, sagt Christa Strey, Sachgebietsleiterin des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes des Dahme-Spreewald-Kreises. "Dazu fehlt uns das Personal."Auf Hühnerhöfen würden Kontrollen beispielsweise erst ab einem Bestand von 200 Tieren durchgeführt werden. Stechen auf den Kontrollfahrten prall in der Sonne stehende Eier ins Auge, "dann halten wir natürlich an", versichert Christa Strey. Doch dies funktioniere leider nach dem Prinzip Zufall.Auf Anfragen oder gezielte Beanstandungen aus der Bevölkerung in Sachen Straßenverkauf reagierten die Lebensmittelüberwacher unverzüglich, so Christa Strey. Denn manchmal existiere ein "ökologischer Anbau" nur auf dem werbenden Pappschild.