MITTE. An jeder Ecke duftet es anders - mal nach frischen Kartoffelpuffern, dann wieder nach gebrannten Mandeln oder nach Bratwurst. Der Nostalgische Weihnachtsmarkt am Opernpalais gehört zu den beliebtesten Weihnachtsmärkten in der Stadt. Abends und an Wochenenden schieben sich Tausende durch die Gassen zwischen den 223 Ständen mit Kunsthandwerk, Kerzen, Mützen und Holzspielzeug. Veranstalter Joseph Nieke könnte also zufrieden sein. Doch er befürchtet, dass der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr das letzte Mal stattfindet. Denn SPD und Linkspartei haben in ihrer jüngsten Koalitionsvereinbarung festgeschrieben, dass künftig große Veranstaltungen zwischen Alexanderplatz und Siegessäule europaweit ausgeschrieben werden.Die Händler sammeln deshalb Unterschriften für den Erhalt des Nostalgischen Weihnachtmarktes. 70 000 Besucher haben schon unterschrieben. Auch Jutta Lachmann hat an ihrem Glühwein-Stand Unterschriftenlisten zu liegen und sagt: "Es muss doch wirklich nicht alles kaputtgemacht werden." Besucherin Gisela Thorke gefällt der Markt. "Wie Schiller auf den Gendarmenmarkt so gehört der Weihnachtsmarkt ans Opernpalais", sagt sie.Dass der Senat den Weihnachtsmarkt vielleicht ausschreiben will, damit ist Joseph Nieke nicht einverstanden. Er hat den Markt in den vergangenen 15 Jahren aufgebaut. Jedes Jahr holt er sich eine neue Genehmigung vom Bezirk Mitte. "Wir sind laufend bemüht, den Markt zu verschönern und zu vergrößern. Jedes Jahr investieren wir eine Million Euro", sagt Nieke. Für den 19. Dezember hat er Anrainer, Senat und Bezirk eingeladen, um mit ihnen die Zukunft des Weihnachtsmarktes zu besprechen und sein Modell dafür zu präsentieren.Dass der Markt gefährdet sei, wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dementiert. "Es wird viel Wind um etwas gemacht, was so nicht stimmt", sagt Sprecherin Manuela Damianakis. Die Koalitionsvereinbarung beziehe sich auf die Gehwege am Gendarmenmarkt und am Pariser Platz. Auch wenn der Senat durch eine neue Verordnung für den gesamten zentralen Bereich zuständig würde, sei für den Weihnachtsmarkt keine Ausschreibung erforderlich. "Ein erfolgreiches Konzept wird vom Senat garantiert nicht torpediert", sagt die Sprecherin."Es wäre wirklich schade, wenn wir hier weg müssten, sagen Karl-Heinz und Hannelore Grölle. Seit vier Jahren kommen sie mit ihrem historischen Riesenrad auf den Nostalgischen Weihnachtsmarkt.Dennoch wird sich der Weihnachtsmarkt einschränken müssen. Das Unternehmen Bauwert will ab dem Frühjahr neben der Friedrichswerderschen Kirche Stadtvillen bauen. Auf dem knapp 2 500 Quadratmeter großen Parkplatzgelände soll die historische Falkoniergasse neu angelegt und mit kleinteiligen Häusern bebaut werden. Schon vor sechs Jahren war der Architekturwettbewerb für dieses Projekt entschieden worden, gewonnen hatte die Architektengemeinschaft Graetz-Nöfer-Tyrra. Marktbetreiber Joseph Nieke weiß bereits von der Bauwert: "Wenn wir weg sind, beginnt die Bauvorbereitung."------------------------------"Für Berlin sind wir eine Attraktion. Wir möchten einfach nur in Ruhe weiterarbeiten können." Veranstalter Joseph Nieke------------------------------Foto: Noch einmal zeigt er sich in voller Pracht - der Nostalgische Weihnachtsmarkt am Opernpalais. Im nächsten Jahr soll dort gebaut werden.