Ein Bauwerk erst unter Denkmalschutz zu stellen, um es anschije-Send abzureiSen, erscheint kaum logisch. Dazu kann es jedoch am Siemens-Industriestandort Block 624 zwischen der Wiebe- und der leni-, ehingenstraße kommen, weil die In" teressen der Denkmalschützer mit denen von Siemens kollidieren.Die Arnold-Vogt-Halle, ältestes Beispiel grunderzeitlicher Industriearchitektur in Moabit, soll abgerissen werden, weil die Siemenstochter KWU (Energieerzeugung) auf diesem Areal eine neue Produktionshalle zur Fertigung von Gasturbinerischaufeln bauen will.189 7/98 errichtete der Architekt Arnold Vogt das Bauwerk für die Maschinenfabrik Ludwig Loew und Co. AG. Das Neuartige an der filigranen Stahlwerkkonstruktion mit ihren dreigeschossigen pavillonartigen Fabrikationsstätten war die Verbindung von Architektur mit einer hohen Arbeitsplatzqualität.Arbeitsplätze zugesichert"Bisher haben wir die Schaufeln auswärts hergestellt", erklärt Rudolf Jost von der Siemens-Grundstticksverwaltung. "Aus Kostengründen müssen wir die Produktion jedoch konzentrieren, um Arbeitsplätze zu erhalten."Die Denkmalschutzbehörde beim Stadtentwicklungssenator will einem Abriß jedoch nur unter Bedingungen zustimmen: In einem Vertrag zwischen Siemens und dem Land Berlin vom 5. januarl994 ist festgelegt, daß der Konzern 200 Arbeitsplätze an diesem Standort zusichern und SO Milionen Mark in die neue Halle investieren muß. Die Abrlßbirnen dürfen außerdem erst dann anrücken, wenn Siemens Geschichte und Architektur des Bauwerkes ausreichend dokumentiert und die benachbarte Peter-Behrends-Halle (Baujahr 1908/1909) restauriert.Fassade umstrittenHelmut Engel, oberster Denkmalschutzer beim Stadtentwicklungssenator: "Historische Bedeutung und Entwicklung der Halle werden in Form eines Buches gewürdigt." Warum das Bauwerk dazu allerdings erst unter Denkmalschutz gestellt werden soll, leuchtet selbst Mitarbeitern seiner Behörde nicht ein.Vertreter des Betroffenenrates Huttenkiez warnen davor, die Struktur des industriegeschichtlich bedeutsamen Ensembles an der Wiebestraße "kurzfristigen Verwertungsinteressen zu opfern". Da Abriß und Neubau jedoch schon so gut wie gemachte Sache sind, soll nach Ansicht der Bewohner wenigstens der äußere Schein gewahrt bleiben: Sie fordern unter anderem das Einhalten der Traufhöhe der alten Halle sowie eine gleiche Fassadengestaltung.flavon kann aber kaum die Rede sein. Auf einer Bürgerversammlung stellten die Siemensarchitekten kürzlich ihr Neubaukonzept vor. Zwar soll die neue Halle nicht größer als das alte Gebäude werden und die denkmalgeschützte Baumgruppe im nördlichen Bereich erhalten bleiben, doch statt rot geklinkert wird der Neubau in silbergrauem Wellblech glänzen. Damit können sich viele Anwohner nicht anfreunden.,, Dieses häßliche Ungetüm orientiert sich überhaupt nicht an der Fassadengestaltung der umliegenden Gebäude", sagt Olaf Wimmer aus der Huttenstraße. Siemens dagegen argumentiert, daß moderne Produktionstechniken auch moderne Architektur erfordern würden. Die Bewohner befürchten außerdem, daß eine Blechhalle keinen ausreichenden Lärmschutz vor der in drei Schichten laufenden Produktion bieten werde.