Eines weiß Dennis Schleußner sicher. Als Groß- und Außenhandelskaufmann will er nicht arbeiten. Später vielleicht. Nicht jetzt. In ein paar Wochen wird der 23-jährige Berliner seine Kaufmannslehre beendet haben, die er gerade in Hamburg absolviert. Dann hat er einen Plan. Er will sein Hobby zum Beruf machen - und mit seinem Jo-Jo Geld verdienen. Seit acht Jahren trainiert Dennis mit dem kleinen Spielzeug, das in jede Hosentasche passt. Damit zaubert er akrobatische Übungen, regelrechte Kunststücke. Dennis Schleußner ist Profi. Dreimal war er Deutscher Meister. Danach ist er nicht mehr angetreten. Mit 23 ist man dafür einfach zu alt, sagt er. Doch ans Aufhören denkt er nicht. Nicht jetzt. In diesem Jahr belegte er den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Orlando (USA) mit Übungen, die Kick flip me Twist, Suicide oder Iron Wipe heißen. "Eigentlich funktioniert so ein Ding ziemlich simpel", sagt Dennis. "Man wickelt sich einfach eine Schnur um den Finger. Doch wenn es losdonnert, das ist schon faszinierend." Seine Jo-Jos heißen "Sleeper", kommen direkt aus den USA und sind hier zu Lande in keinem Spielzeugladen zu kriegen. Die Schlaufe der Schnur ist ohne Knoten um das Kugellager gewickelt. Wirft man das Jo-Jo aus, dreht sich der Körper um sich selbst und verursacht ein rasselndes Geräusch. Das liebt Dennis. Dann hat er Zeit, es auf der Schnur tanzen zu lassen, in die Luft zu werfen und selbst entworfene Kunststücke zu zeigen. Am Ende landet es aufgerollt wieder in der Hand. Fertig. Für so etwas müsse man jeden Tag üben, sagt Dennis. Allein zwei Jahre lang hat er gebraucht, um die Grundübungen perfekt zu beherrschen. Mit Freunden, die sich als "Berlin-Brain-Twisters" im Hinterzimmer eines Drachenladens in Pankow zum Training trafen, hat er sich alles aus Heften und Videos abgeschaut. Da war er 16, ging zur Schule und hatte viel Zeit. "Später haben die wenigsten noch Ausdauer und Lust, weiterzumachen." Darum gebe es in Berlin auch keine Jo-Jo-Szene. In Berlin gebe es allenfalls 20 Leute, die ernsthaft Jo-Jo spielen.Dennoch hat Dennis nie ans Aufhören gedacht. "Ab einem bestimmten Level gibt es kein Zurück mehr", sagt er. Heute entwickelt er seine Tricks allein, holt sich Anregungen aus dem Internet. Ein Jo-Jo trägt er immer bei sich, eine Gelegenheit zum Spielen ergibt sich eigentlich immer irgendwo. In Hamburg hat er in der Mitternachtsshow des Schmidt s-Theaters mit dem Jo-Jo seine Miete zusammengezuppelt. In Berlin soll das nun auch klappen. Er hofft auf Auftritte in Varietees und Bars, bei Betriebs- und Weihnachtsfeiern und auf Geburtstagen. "Das Witzige ist doch, alle kennen das Ding, aber die wenigsten wissen, was man damit alles machen kann."Informationen im Internet unter www.gyya.deBERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Die Figur Boing Boing hat Dennis Schleußner selbst erfunden. Damit überzeugte er die Jury bei der Jo-Jo-Weltmeisterschaft.