BERLIN. Für den Fan im Forum des 1. FC Union Berlin namens Talijan ist es die Frage aller Fragen: "Warum", schreibt er, "hat Texas keinen Sohn?" Daniel Loureiro Teixeira, alias Texas, ist kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Daniela heißt die Kleine. Zu Hause ist Daniel Teixeira jetzt mit Gattin Soraia sowie den Töchtern Debora und Fabiana von vier Frauen umgeben, was ihm gefällt, aber manchen Unioner beunruhigt: Denn zumindest auf diese, natürliche Weise, gibt es bisher keinen Nachfolger für den bereits 38-jährigen Stürmer des Regionalligisten, den viele für unersetzlich halten. Vielleicht sogar Trainer Christian Schreier, der vorgeschlagen hat, man möge den Brasilianer, der eigentlich seine Karriere beenden wollte, nun doch noch mit einem neuen Vertrag über die Saison hinaus ausstatten. Als Profi auf Stand-by-Basis im Kader, der zudem noch als Assistenztrainer in Köpenick arbeitet. Spätestens im Trainingscamp Ende Januar in der Türkei soll verhandelt werden.Anfängliche SkepsisEine erstaunliche Entwicklung. Hat doch Schreier zu Beginn seiner Amtszeit dem alternden Angreifer einige Skepsis entgegengebracht. Schreier, sonst eher ein Freund jugendlichen Elans auf dem Fußballfeld, sagt heute: "Texas ist sehr wichtig für die Mannschaft. Er bringt immer Gefahr, wenn er kommt." Siehe das 2:2 vor der Winterpause im Derby gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC. Da war Union nach einem 0:2-Rückstand im Grunde schon besiegt - bis Teixeira als Einwechselspieler neuen Schwung brachte. Nach drei Monaten Verletzungspause feierte er da sein Comeback und bewies einmal mehr, "dass seine bloße Anwesenheit den Gegner verunsichert", wie Schreier sagt. Teixeira selbst betonte, er sei "ein Glückskind und ein Kämpfer. Für mich ist ein Spiel erst verloren, wenn es abgepfiffen ist".Das ist ein Sinnbild für die Karriere eines Mannes, der sich niemals hat unterkriegen lassen und deshalb seine aktuelle Situation ganz gelassen sieht: "Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht", sagt er, "und ich bin auch keiner, der langfristige Pläne braucht." Kurzum: "Wenn der Verein mich will, und meine Gesundheit mitspielt, dann kann man über alles reden."Das mit der Gesundheit ist so eine Sache. Zuletzt haben die Knie Probleme bereitet, der Verschleiß insgesamt ist sichtbar. "Ich weiß, ich bin ein alter Mann. Aber für eine halbe Stunde reicht es schon noch", sagt Teixeira, der auch mit reichlich Humor ausgestattet ist. Und mit Kampfgeist. Er ist keiner der begnadeten Ballzauberer aus Brasilien. Sein beruflicher Weg sollte ganz anders verlaufen. Eigentlich wollte er nur Amateurfußball spielen. Sein Vater, Ingenieur und Hochschullehrer, bestand darauf, dass der einzige Sohn unter seinen vier Kindern die Schule beendet und ein Studium an der Universität von Belo Horizonte begann - Wirtschaftsrecht, Spezialgebiet Ex- und Import. Wie passend für den Mann, der auf dem Transfermarkt irgendwann selbst zum Handelsgut wurde und auf diese Weise weit herum kam.Pokalsieg im MaracanãIrgendwann fand ihn ein Talente-Scout doch geeignet, um Profi zu werden. Die Freude am Fußball war damals zu groß, als dass er es nicht wagen wollte, sagt Daniel Teixeira, dessen Karriere aber erst sehr spät richtig Fahrt aufnahm. 1993 holte er in der Riesenschüssel des Maracanã-Stadions in Rio de Janeiro den Pokal mit Cruzeiro Belo Horizonte, wo sein Mannschaftskollege eine Saison lang der junge Ronaldo war. Dann wurde er nach Japan ausgeliehen und spielte dort bei Nippon Denso in der zweiten Liga.Über Funchal kam er nach Portugal, wo er in der ersten und zweiten Liga spielte. Dann kehrte er nach Brasilien zurück, doch in der Heimat wollte ihn keiner mehr. Er spielte, mittlerweile benutzt von einem dubiosen Berater, in Rumänien und der Türkei vor, bevor er 1999 beim KFC Uerdingen landete. Tausend Euro brutto verdiente er damals im Monat, bevor er sein Glück als Leihgabe für rund 250 000 Euro in Berlin fand: Mit 18 Toren in 16 Spielen schoss er Union in die zweite Bundesliga. Er durfte aber nicht bleiben, weil Uerdingen eine Million Ablöse verlangte und Union eisern blieb. Über Eintracht Braunschweig, Holstein Kiel und Rot-Weiß Essen, wo er auf der Tribüne versauerte, landete er wieder in Köpenick, in der Oberliga. Zum großen Wurf hat es nie gelangt, weil er auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft interessierten Erstligisten wie Werder Bremen zu alt erschien.Dass er in der vierten Liga Torschützenkönig werden würde, war vorher klar. Union wieder hoch zu schießen, das war seine Aufgabe. Und nun? Einen verdienten Mann wie ihn lasse man nicht einfach ziehen, sagt Sportdirektor Jörg Heinrich. "Ich habe noch großen Spaß, kann den jungen Leuten viel beibringen", sagt Teixeira. Einen Job im Management bei Union hat er, der vier Sprachen spricht, sich eigentlich gewünscht. Doch da gibt es keine Vakanz, und so sieht es nun eher nach einem weiteren Jahr auf dem Fußballfeld aus. Wenngleich ihm Christian Schreiers Vorpreschen fast ein wenig peinlich ist."Im Grunde ist es zu früh, wir müssen sehen, wie gesund ich bleibe", sagt Daniel Teixeira zurückhaltend und würde am liebsten erst am Saisonende verhandeln. Doch der Klub braucht Planungssicherheit, und deshalb sagt der Stürmer, längst heimisch geworden in seiner Doppelhaushälfte in Treptow: "Hauptsache, ich bleibe bei Union. Der Verein wird eine gute Verwendung für mich finden."------------------------------"Texas ist ein Spieler, der durch seine bloße Anwesenheit den Gegner verunsichert." Unions Trainer Christian Schreier------------------------------Foto: Teilzeitarbeiter: Daniel Teixeira bestritt wegen einer Knieverletzung in dieser Saison bislang lediglich fünf Spiele.