BERLIN, 30. September. Exakt um 12.41 Uhr, gut eine halbe Stunde nach der offiziellen Inthronisierung von Fritz Fuchs, 54, als Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union Berlin, kam gestern die erste Meinungsäußerung eines Fanclubs per Internet. "Vielleicht kann mir ja mal jemand helfen, wer der neue und erfahrene Trainer namens Fritz Fuchs ist?" Hinterher schob der Sprecher des Fanclubs noch einen Gruß an den geschaßten Fuchs-Vorgänger Ingo Weniger: "Danke Ingo! Deine Arbeit und Dein Engagement in den schweren Zeiten, die ja noch gar nicht so lange her sind, werden nicht vergessen."Als Spieler auf dem BetzenbergDem Fanclub kann geholfen werden. Fritz Fuchs, Bruder von Werner Fuchs (1989/90 Hertha-Trainer) und Vater des bis vorige Saison aktiven Bundesliga-Profis Uwe Fuchs (zuletzt Arminia Bielefeld), erfüllte sich einst einen Traum als Spieler, "als ich mit dem roten Trikot des 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg auflaufen durfte". Damals, so Fuchs, habe ihm auch ein Angebot von Hertha BSC vorgelegen, doch als gebürtiger Lauterer entschied er sich für seinen Heimatverein. Fuchs sieht sein Engagement beim 1. FC Union als die späte Einkehr in Berlin.Auf höchster Ebene, sprich in der ersten Bundesliga, arbeitete Fuchs nur kurz. Vom 1. Juli 1987 bis zum 22. August 1987 war er Chefcoach beim damaligen Erstligisten FC Homburg, ehe ihn Udo Klug bereits nach vier Spieltagen beerbte. Den großen Fußball erlebte Fuchs die letzten Jahre nicht. Da war er beim Verbandsligisten SV Niederauerbach (Zweibrücken) tätig. Fuchs soll bei Union vorerst einen Vertrag bis zum Saisonende erhalten. Er wäre der beste Kandidat von etwa zehn bis zwölf Fußball-Lehrern gewesen, die man kontaktiert habe, sagte Union-Präsident Heiner Bertram: "Der paßt." Laut Bertram kam der Kontakt erst in den letzten Tagen zustande, was aber bezweifelt werden muß. Denn schon vor Saisonbeginn wollte Union-Aufsichtsratschef und Geldgeber Michael Kölmel, Filmrechtehändler aus München ("Kinowelt"), den Trainersohn Uwe Fuchs gern als Spieler bei Union präsentieren, als neue Zugnummer. Dieser war nicht abgeneigt, forderte aber gleichzeitig ein Mitspracherecht in Fragen des Managements, was Trainer Weniger zu weit ging. Für Uwe Fuchs, inzwischen bei Kölmel als Berater tätig, wurde Peter Közle beim VfL Bochum abgeworben.Präsident Bertram begründete den Trainerwechsel damit, "daß ein klares Konzept auf dem Weg nach oben nicht erkennbar war". Die Betreuung der Mannschaft in schweren Zeiten, als Union vor dem Konkurs stand, rechne man Weniger hoch an, "aber die wurde auch ordentlich besoldet". Man habe Ingo Weniger, der einen Trainer- und Managervertrag bis 2000 besaß, angeboten, im Jugendbereich zu arbeiten und "Fritz Fuchs über die Schulter zu schauen". Weniger wird diese Offerte wohl nicht annehmen.Präsident Bertram jedenfalls beruhigt das Gefühl, "daß die Mannschaft den Trainerwechsel sehr positiv aufgenommen hat". Der neue Mann ordnete erst mal ein dreitägiges Trainingslager ("Zum Kennenlernen") in der Sportschule Parchim an, ehe sein Team zum Test am Sonnabend auf den Landesligisten Sparta Lichtenberg trifft (15 Uhr, Kynaststraße).