BERLIN, 18. April. Eigentlich wäre alles angerichtet für große Ereignisse. Der VIP-Bereich des 1. FC Union Berlin strahlt in neuem Glanz und heißt jetzt vornehm "Hospitalitybereich", was nichts mit Krankenhaus zu tun hat. Für 180 Mark pro Spiel oder 2 000 Mark für die komplette Saison können die Edelfans hier schlemmen. An Zweitliga-Fußball werden sie sich aber auch in der kommenden Spielzeit kaum erfreuen können. Und dies, obwohl Union-Präsident Heiner Bertram am Sonnabend über die Stadienbeschallung den 2 034 Anwesenden mitteilte, daß der Verein die Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes ohne Auflagen bekommen habe. Bertram nannte dieses Ereignis "einen historischen Tag" für den Klub, weil der Regionalligist den DFB zuvor in wirtschaftlichen Fragen nie überzeugen konnte. Schade nur, daß die kickenden Angestellten nicht mitzogen. Ein laues 2:2 gegen Dynamo Dresden bedeutete wohl das Ende aller Aufstiegsträume.Abschied vom AufstiegSo hat die Lizenzerteilung wohl nur symbolischen Wert. "Mit zwei verschenkten Punkten können wir das Buch zumachen", sagte Trainer Fritz Fuchs. Jörg Schwanke ergänzte: "Es ist frustrierend. So einfach wie in diesem Jahr wird es nie wieder." Laut Torsten Boer geht es jetzt allein um einen guten Abgang: "Keiner läßt sich hängen. Es gibt noch Punkte und Prämien." Bis Platz sechs rollt der Rubel bei Union.Auch Arbeitsverträge sind noch zu vergeben. Drei von neun Spielern ohne neuen Kontrakt wissen seit dem Wochenende ein wenig mehr. Torwart Oskar Kosche werde ein Angebot erhalten, so Bertram, ebenfalls Boer. Der aber vielleicht in anderer Funktion als Jugend-Koordinator. Auch Michael Oelkuch soll gehalten werden. "Ein echter Kerl, von dessen Sorte wir noch zwei, drei bräuchten", schwärmt Bertram. Oelkuch ist nicht abgeneigt zu verlängern, war aber am Wochenende schlechter Laune. Die erste Halbzeit mußte er auf der Bank schmoren, durch das Stadion lief das Gerücht, er habe sich mit Fuchs verkracht. Am Ende sagte der Coach, er habe Oelkuch, von den Fans zum "Spieler des Monats März" gewählt, eine Pause gönnen wollen. Der sagte: "Mag sein. Ich bin sauer, verstehe es nicht."Vier bis fünf neue SpielerFuchs Details im Gesamtbild. Union plant längst die neue Saison. Der Etat, so Bertram, wird auf fünf Millionen Mark geschraubt, vier bis fünf neue Spitzenspieler sollen kommen. Mancher zweifelt an dieser Zahl, der Fernsehsender SFB berichtete am Wochenende, Fuchs wolle gar 200 Spieler im Probetraining testen. Der Trainer hält sich bedeckt, er verriet nur, er sei auf der Suche nach Profis "die Charakter haben und dem Druck besser standhalten können". Einige Akteure von Zweitligist Cottbus (u. a. Torwart Kay Wehner) beobachtete er am Freitag beim 0:2 in Hannover."Wir schaffen die sportliche Sicherheit, nächstes Jahr voll anzugreifen", sagt Bertram und betont, daß Fuchs keinen Persilschein habe. Trotz der Nähe zu Sponsor Kinowelt (Sohn Uwe Fuchs ist dort Sport-Berater) könne er sich nicht sicherer fühlen als jeder andere Übungsleiter auch. "Wir überprüfen jeden Spieler-Vorschlag genau", sagt der Präsident, "und auch Herr Fuchs Arbeit wird nächste Saison am Erfolg gemessen."