Der 60-jährige Schwede will Ingolstadt vor dem Abstieg retten: Aufschwung Öst

BERLIN, 16. Januar. Da ist er wieder in seiner zweiten Heimat. Am Donnerstag reiste Olle Öst nach Berlin, aber diesmal kam er als Gast. Genauer gesagt als Trainer des ERC Ingolstadt, der am Freitag das fällige Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Eisbären zu bestreiten hat. "Ich bin immer gerne hier", versichert der Schwede glaubwürdig. Schon zwischen 1978 und 1980 trainierte er den Schlittschuhclub, dann von Dezember 1987 bis März 1990 den BSC Preußen, schließlich amtierte er in der vergangenen Saison als Sportdirektor der Capitals, dem Preußen-Nachfolger. Zwischendurch versorgte der umtriebige Spielervermittler die Eisbären mit Schweden-Happen - und die Profis Steen, Rhodin oder Wahlberg verhalfen den Fans in Hohenschönhausen zu spielerischen Genüssen. "Die Capitals-Zeit war meine schlimmste", blickt der 60-Jährige auf eine Saison voller Intrigen und Geldnöte zurück. "Ich versuche, das so schnell wie möglich zu vergessen."Vermutlich ist auch das ein Grund, warum Öst noch einmal auf den Platz hinter die Bande zurückgekehrt ist. Als Ingolstadts Coach Jim Boni Anfang des Jahres hinschmiss, klingelte in Leksand das Telefon, am anderen Ende ERC-Manager Stefan Wagner. "Innerhalb eines Tages musste ich mich entscheiden. Ich habe mir gesagt, warum nicht? Im Winter ist es da oben in Leksand immer langweilig. Und außerdem sind die schwierigsten Aufgaben schließlich die besten." Also gab er die Spielervermittlung ab und nahm die Herausforderung an. Die ist tatsächlich schwierig. Ingolstadt liegt auf dem vorletzten Platz, acht Punkte vom rettenden zwölften Rang entfernt. "Realistisch ist die Abstiegsserie gegen Schwenningen. Die Liga zu halten, wäre optimal, alles andere sensationell." Wobei Öst durchaus für überraschende Dinge gut ist. Einst führte er die Preußen erstmals in deren Klubgeschichte in die Play-offs. Und bei seiner letzten Station, 2001 in Hannover, machten die Scorpions einen Zehn-Punkte-Rückstand auf die Play-off-Plätze wett und drangen dann bis ins Halbfinale vor.Zwei Siege zum EinstandNun hat sein Einstieg in Oberbayern Hoffnungen geweckt. In Köln (3:2 n.P.) und Krefeld (3:2) wurde gewonnen, jetzt kommen also die Eisbären. "Nein, nein", wehrt Öst in gewohnt taktischer Bescheidenheit ab, "unsere Serie werden wir nicht fortsetzen können. Die Eisbären sind die beste Mannschaft der Liga. Und selbst wenn da sieben Mann ausfallen, ist der Kader noch gut genug, um das zu überbrücken. Wir können nur hoffen und beten." Dass der alte Schwede anderes im Sinne hat, dürfte auch klar sein. Die beiden Siege haben Öst natürlich die Arbeit erleichtert. "Die Spieler ziehen alle mit. Wenn man gewinnt, dann macht das Training Spaß." Auch dem Coach, der nun trotz seines Alters sinniert, ob er über die Saison hinaus bleibt. "Eines habe ich gelernt: Man muss zum richtigen Zeitpunkt aufhören. In Hannover konnte ich mich nicht mehr verbessern. In Ingolstadt ist das anders, da bauen sie auch eine neue Eishalle. Das reizt mich schon." Vermutlich ist Öst nicht das letzte Mal nach Berlin gekommen.Jubilar Bergen // Den Eisbären fehlen Beaufait, Emmons (beide gesperrt), Walker, Busch (beide Leistenzerrung), Gruden (Schulter), Keller (Aufbautraining) und Tomlinson (Kreuzband-OP).Im Tor steht Richard Shulmistra. Für den Kanadier ist es nach der Leisten-OP das erste Heimspiel seit dem 4. Oktober 2002. Sein Debüt gibt Stürmer Patrick Saggau (19/bislang EC Timmendorfer Strand).Sein 500. DEL-Spiel bestreitet Verteidiger Brad Bergen (36). Mehr DEL-Spiele absolvierte nur Wally Schreiber (40/Hannover).IMAGO/RUST "Diese Woche war kein Training schwierig": Olle Öst kehrt am Freitag nach Berlin zurück.