ZEHLENDORF. Es riecht noch nach Farbe und der frisch verlegte Eichenboden mit Fischgrätenmuster quietscht beim Gehen. Aber das trübt den Eindruck vom Tanzsaal im Primus-Palast kaum. Mit seinen hohen geschwungenen Decken, den großen runden Jugendstilfenstern, den klassizistischen Säulen sieht er aus, wie man sich einen Ballsaal aus dem Jahre 1906 vorstellt. Selbst die Türen sind noch die original Schwingtüren.Alte Zehlendorfer kennen den Tanzsaal an der Gartenstraße/Ecke Berliner Straße noch aus besseren Zeiten, als dort noch regelmäßig Tanzveranstaltungen stattfanden. Das wird auch in Zukunft wieder möglich sein. Der historische Saal wurde restauriert und steht seit gestern wieder für Veranstaltungen zur Verfügung. Rund eine Million Euro investierten die neuen Besitzer Drechsel, Dudzik und Marschner in die Renovierung des Saals. Der ist mit jetzt acht Metern nicht mehr so hoch wie früher, denn wo die alten Ränge waren, erhielt er eine Zwischendecke. In der so entstandenen Etage darunter ist ein Getränkehändler eingezogen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant. Den hinteren Bühnenbereich, der im Krieg weggebombt wurde, ersetzen heute große geschwungene Glasfenster.Peter Kolisch (48), Inhaber der Tanzschule Golden Gate, hat den Saal angemietet. Neben Tanzkursen will er den Saal für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Abi-Bälle vermieten. "Wir brauchen diese zusätzlichen Einkommensquellen, um die Miete finanzieren zu können. Nur in Kombination geht's auf", sagt Kolisch. Weniger besorgt ist er darüber, dass seine Kurse nicht voll werden, denn Tanzkultur sei nach wie vor beliebt und die Tänzer wollen nicht mehr in verstaubte Kirchengemeinden.Kolisch sagt, er sei dem Charme des Saals gleich auf Anhieb verfallen. "Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich im Januar 2006 den Tanzsaal des Primus-Palastes zum ersten Mal besichtigt habe", sagt Kolisch. "Obwohl er damals noch im Rohzustand war, habe ich gleich gemerkt, dass er ideal als Veranstaltungsraum ist."Seit 20 Jahren leitet der ehemalige Amateurtänzer gemeinsam mit seiner Frau die Tanzschule Golden Gate in Friedenau am Breslauer Platz. Vor eineinhalb Jahren begann er nach neuen Räumen für seine Tanzschule zu suchen, deren Mietvertrag er nicht mehr verlängern wollte. Auf den Primus-Palast sei er gestoßen, weil er seit 20 Jahren an dem Gebäude aus der Gründerzeit vorbeifuhr.Die ersten Veranstaltungen im Saal sind bereits geplant: Am 19. Mai findet von 18 bis 22 Uhr ein "Tag der offenen Tür" statt, am 26. Mai gibt es einen "Tanz in in den Mai", am 23. Juni wird ein großer Sommernachtsball gefeiert.------------------------------Geschichte des Primus-PalastesAls Lindenpark wurde der Primus-Palast 1906 erbaut. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er als Künstler- und Theaterhaus bekannt, 1945 eröffnete dort das erste Nachkriegstheater Berlins, der Palast war kurzzeitig Dependance des Deutschen Theaters, auch Gustaf Gründgens spielte dort.In den 50er-Jahren setzte der Niedergang des Saalbaus ein. Anfangs wurde er noch als Kino genutzt. Bis 1999 war er Lagerhaus eines Blumenhändlers.Der Bezirk bemühte sich zehn Jahre um eine Wiederbelebung der kulturellen Nutzung, allerdings fehlte das Geld. Alle Bemühungen, das Haus zum offiziellen Verkehrswert zu verkaufen, scheiterten, so dass das Gebäude vor zwei Jahren in den Liegenschaftsfonds überging.Die neuen Besitzer investierten eine Million Euro in die Wiederherstellung des historischen Saals.------------------------------Foto: Tanzschulbesitzer Peter Kolisch schätzt besonders den Charme der Jugendstildecke und das viele Licht an dem Saal im Primus-Palast.

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