"Es kann schon sein, daß wir in fünf bis zehn Jahren wieder so eine Situation haben wie die, die zu den 68er-Revolten geführt hat." Eine wachsende Nachfrage nach Bildung dürfe man nicht dadurch regulieren, indem man das Angebot kappt. Auf der Straße war er nicht. Heinz Ickstadt nutzte das Jahr 1968 zur Promotion über Hart Crane. Damit stand der Tenor seiner Forschung fest: Amerikanische Literatur, die sich ihrerseits mit der "american experience" befaßt. Tatsächlich war die amerikanische Demokratie lange ein Modell für ihn gewesen - bis er 1960 erstmals die USA besuchte, "was sehr augenöffnend war". Die Augenöffnung blieb eine wichtige Erfahrung. Das John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität verdankt Heinz Ickstadt sein Überleben. In den 70er Jahren - Studenten forderten linke Politik - war das konservativ geleitete Institut an den Rand des Zusammenbruchs geraten. "Es war sehr wichtig, daß jemand von außen kam und sich nicht in Konventionen drängen ließ", erklärt Ickstadt, der 1978 als Professor für nordamerikanische Literatur am USA-freundlichen Institut zu lehren begann. Er vermittelte zwischen erstarrten Fronten, brach die starren Feindbilder zwischen progressiven Studenten und konservativen Hochschullehrern auf. Ickstadts eifrigen Mitarbeitern kam sein sechzigster Geburtstag im vergangenen Jahr sehr gelegen, um zu diesem Anlaß ein Symposium zu organisieren. Als völlige Überraschung für einen, der einer Denkmalsetzung skeptisch gegenübersteht. Was ihn freute: Es ging um Literatur. Ickstadt: "Die Liebe zur Literatur ist der Motor meiner Wissenschaft." +++