Manches Architektenleben steht im Schatten nur eines Bauwerks. Das von Günter Franke etwa, der, wie erst jetzt bekannt wurde, schon am 27. Februar verstarb. Der Fernsehturm warf den Schatten. Um ihn tobte von Beginn an der berühmteste Urheberrechtsstreit der DDR-Architekturgeschichte: Wer hat den schlanken Schaft, die Kugel, den Aufsatz entworfen? Fritz Dieter, Werner Ahrend und Günter Franke gehörten zu den wenigen, die diesen Anspruch zu Recht erhoben - auch wenn gerade sie über viele Jahre gar nicht oder nur am Rand erwähnt wurden. Denn selbst das Bauwesen der SED meinte, dass Ingenieure doch eigentlich keine richtigen Architekten sind.Doch Architekteningenieure wie Günter Franke übersprangen diese Grenze immer wieder - und mussten im Westen wie im Osten in Kauf nehmen, nur als Teil von Kollektivnamen bekannt zu werden. Geboren 1937 im schlesischen Schweinitz, hatte er 1950 eine Lehre als Bauzeichner begonnen, seit 1953 in Neustrelitz Bauingenieurswesen studiert, arbeitete seit 1957 im VEB Industrieprojektierung Berlin IPRO - denen 1964 der Auftrag zufiel, den Fernsehturm zu errichten. Dessen Schacht ist bautechnisch ein riesiger Schonsteinschaft, die Kugel eine genialische Konstruktion, die aus diesem Schacht heraus gebaut werden konnte. So etwas in solchen Dimensionen zu entwerfen, dazu gehört nicht nur der Rechenschieber, sondern auch künstlerische Sensibilität. Die hatte Franke schon lange, bevor er 1974 sein Architekten-Diplom in Weimar erwarb.Schon 1956 hatte er mit seinen IPRO-Kollegen die grandiose Omnibushalle in Berlin-Weissensee geplant, ein zwischen kantigen Aufhängern schwingendes Spannbetondach. In Frankreich, USA oder Mexiko findet man so etwas zu dieser Zeit öfter - in der DDR war es eine Sensation. Doch wie die Friedenswarte bei Brandenburg, eine metallisch glitzernde Kapselreihe von 1974, wurde die Halle viel zu wenig beachtet.Einmal wollte auch Franke der Anonymität des Kollektivs entrinnen: mit dem Neubau des Theaters in Potsdam. Doch als dies im Rohbau endlich halbwegs fertig war, fiel die Mauer. Die in Jahrzehnten aufgestaute Wut der Potsdamer über die Vandalisierung ihrer schönen Stadt durch die SED wandte sich nun gegen Frankes Projekt. Der Rohbau wurde noch 1990 schmählich abgetragen, lieber ertrug man eine Blechbüchse als Ersatz.Franke war einer der wenigen Architekten in der DDR, die sich ihr Haus selbst bauten. Ein Nur-Dach-Haus in Eichwalde bei Berlin, wie man es sonst allenfalls als Wochenenddomizil kennt, aus Skandinavien und den Niederlanden. Also jenen Gebieten, in denen Franke auch sonst seine Inspiration durch Bilder und Zeichnungen in Architekturmagazinen holte. Und so zeigte sich noch in den Autohäusern, die Franke nach 1995 entwarf, der ferne Nachklang jener heiter bewegten Stockholmer Ausstellung "Tiden" von 1930, Vorbild ganzer Generationen für eine Ingenieurs- und Architektenkunst vereinigende Moderne.------------------------------Foto: Ein Kunstwerk: der Fernsehturm.