Der Weg zu Florian Guthmanns Arbeitsplatz führt durch einen langen, hellen Korridor, gesäumt von zahlreichen Fotos schwangerer Frauen, die in die Kameras strahlen. Ein ungewohnt persönlicher und angenehmer Anblick in der Berliner Charité, Europas größtem Universitätsklinikum. Und ein Anblick, der daran erinnert, dass der Grund für einen Krankenhausaufenthalt durchaus ein erfreulicher sein kann. Vielleicht erklärt sich so auch, warum der Kinderarzt Guthmann über seine klinische Tätigkeit hinaus Menschen für die Medizin begeistern möchte -mithilfe der Lehre.Guthmann ist Facharzt in der Neonatologie der Charité, der Station für Neu- und Frühgeborene. Neben seiner klinischen Tätigkeit als Arzt bildet er auch aus. Für Guthmann ist dies jedoch mehr als eine Pflichterfüllung: Seit 2007 ist er Lehrbeauftragter für die Kinderklinik und hat sich im vergangenen Jahr zum "Master of Medical Education" (MME) weiterbilden lassen, um neue Lern- und Prüfmethoden kennenzulernen und sie an Mitarbeiter und Studenten weiterzugeben. "Die Lehre war früher ein Stiefkind an der Universität", weiß Guthmann aus seiner eigenen Studienerfahrung. "Der Stellenwert an der medizinischen Fakultät war immer eher niedrig, auch weil das Prestige fehlte." Da jedoch alle Ärzte, die an Unikliniken beschäftigt sind, laut Gesetz auch lehren müssen, bestand akuter Verbesserungsbedarf -der nun unter anderem durch den MME gedeckt wird.Nicht jeder darf in die Lehre einsteigenWer das berufsbegleitende Masterstudium absolvieren möchte, muss von seiner Fakultät vorgeschlagen werden -und dazu einiges mitbringen: einen überdurchschnittlichen Abschluss in Medizin, eine mindestens einjährige Berufserfahrung, Tätigkeiten in der Lehre sowie einen Projektentwurf zur Verbesserung der Lehre an der eigenen Fakultät. Zudem sind pro Semester 4500 Euro Gebühren zu entrichten, die jedoch -so Liane Asgeirsson vom Studiendekanat der Universität Heidelberg -in den meisten Fällen nicht der Studierende allein aufbringen muss. Für Florian Guthmann fielen die Gebühren sogar gänzlich weg, da die heimische Fakultät und die Heinz-Nixdorf-Stiftung, die den MME gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft fördert, jeweils zur Hälfte die Kosten übernahmen.Sind diese Hürden genommen, erwarten die MME-Teilnehmer acht Module, Blockseminare von jeweils fünf Tagen, die in einem Zeitraum von 18 Monaten stattfinden -an acht verschiedenen Orten. Die Universitäten von Heidelberg, Tübingen, Dresden, Köln, München, Wien sowie die Charité Berlin richten jeweils ein Modul aus, das achte und letzte widmet sich dann der "Evaluation einer internationalen Ausbildungsstätte" und wird an einer Hochschule in der Schweiz oder Österreich abgehalten."Diese eine Woche intensiver Arbeit ist anstrengend im positiven Sinn", erinnert sich Guthmann. Vor- und Nachbereitung erforderten einen hohen Zeitaufwand. Doch die Vorstellungen des Kinderarztes wurden dabei übertroffen, "sowohl was die Themenauswahl anging, als auch, wie die Themen präsentiert wurden": viel Gruppenarbeit und Videoanalysen der eigenen Vortragsweise. Im Anschluss steht für die 25 Teilnehmer eines Jahrgangs die Master-Thesis an.Fortbildung ist vorgeschriebenDiplom-Pädagogin und Ärztin Waltraud Georg, Koordinatorin für Ärztliche Bildung der HELIOS Kliniken GmbH, absolvierte den MME von 2002 bis 2004 in Bern. Aus dem damaligen Jahrgang entwickelte sich eine Arbeitsgruppe, aus der schließlich der MME in Deutschland entstand. Georg gehört nun selbst zu einem der acht Modulteams, die jeweils eine Woche lang die MME-Studierenden ausbilden: In Heidelberg liegt ein Schwerpunkt auf innovativen Prüfungsmethoden. "Der Trend geht weg vom reinen Faktenwissen," sagt Georg und sie fügt hinzu: "Eine gute Ausbildung endet nicht an der Unitür."Spätestens seit dem Jahr 2005 ist das so, als eine neue ärztliche Berufsordnung in Kraft trat und eine Fortbildungspflicht sowohl für Fach- als auch für Assistenzärzte in Krankenhäusern mit sich brachte. Florian Guthmann kann seine erworbenen Fähigkeiten vielseitig einsetzen: Er unterrichtet Mediziner und Krankenschwestern, organisiert die studentische Lehre und gestaltet zudem den zum Wintersemester an der Charité gestarteten Modellstudiengang mit. Ziel ist es, von Beginn des Studiums an medizinische Theorie und Praxis enger miteinander zu verzahnen. Damit bei möglichst vielen Medizinern nicht nur die Kompetenz steigt, sondern auch der Spaß am Lernen wächst.------------------------------Lehrreiche MedizinStudiumDer berufsbegleitende Aufbaustudiengang zum "Master of Medical Education" (MME), der in Deutschland seit dem Jahr 2004 angeboten wird, erstreckt sich über insgesamt vier Semester -18 Monate Präsenzphase und 6 Monate Master-Thesis. Die acht Module der Präsenzphase finden an acht verschiedenen Orten statt. Die Ausarbeitung eines Trainingskurses oder Workshops an der Heimfakultät ist genauso Bestandteil des Studiums wie eine abschließende Master-Thesis unter Betreuung eines Experten, die als Ausbildungsforschungsprojekt von den Teilnehmern konzipiert wird.Die Anmeldung für den Jahrgang 2011-2013 ist noch bis zum 15. März 2011 möglich. Weitere Informationen zum Studium sowie das Bewerbungsformular gibt es im Internet:www.mme-de.de------------------------------Foto: Heute wird das Wissen gern in Gruppenarbeit statt in Vorträgen vermittelt.