Eines kann man Mathias Döpfner nicht vorwerfen: Der Mann macht keine halben Sachen. Nach wochenlangen Spekulationen segnete der Springer-Aufsichtsrat den "Masterplan" des designierten Vorstands für Zeitungen und Multimedia am Donnerstag ab. Und der hat es in sich: Praktisch alle Chefpositionen der Springer-Zeitungen werden neu besetzt.Großer Gewinner der umfassenden Personalrochade ist Kai Diekmann (36), bisher Chefredakteur der "Welt am Sonntag". Er wird nicht nur Chefredakteur der "Bild-Zeitung" sondern auch deren Herausgeber. Zusätzlich wird er auch Herausgeber der "Bild am Sonntag" und damit faktisch zum ein-flussreichsten Mann in der Springer-Zeitungsgruppe. Der bisherige "Bild"-Chef Udo Röbel (50), der die Position drei Jahre inne-hatte, wird Chefredakteur des Online-Angebots "bild.de", das derzeit unter dem Arbeitstitel "Projekt Z" zu einem Infotainmentportal ausgebaut wird. Claus Strunz (34), nach der Demission von Michael H. Spreng zum kommissarischen Chefredakteur der "Bild am Sonntag" berufen, wird in dieser Position laut Verlag nun "bis auf weiteres" verbleiben; zusätzlich wird er erwartungsgemäß zum Koordinator des Vorstands Zeitungen/Multimedia berufen - und damit so etwas wie die rechte Hand von Mathias Döpfner.Beschlossene Sache ist nun auch ein Wechsel beim Berliner Boulevardblatt "B.Z.". Franz Josef Wagner (57) wird abgelöst, Georg Gafron sein Nachfolger. Wagner soll allerdings weiter für den Verlag arbeiten: Er wird zum "Chefkolumnisten" ernannt und soll in dieser Funktion für verschiedene Springer-Zeitungen neue Kolumnen-Formate entwickeln.Die einzige wirkliche Überraschung im Personalkarussell ist Thomas Garms (42), der Kai Diekmann als Chefredakteur der "Welt am Sonntag" nachfolgt. Garms war von 1993 bis 1995 Chefredakteur des Milchstraßen-Blattes "Fit for Fun" und zuletzt Chefredakteur von "Men s Health". Mit Ausnahme von Garms werden alle vom Aufsichtsrat beschlossenen Personalveränderungen am 1. Januar 2001 wirksam; der neue "WamS"-Chef soll sein Amt wegen seines noch bestehenden Vertrags "zum frühestmöglichen Zeitpunkt" antreten. Entgegen anderslautenden Gerüchten bleiben die Chefredakteure der Regionalzeitungen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt", Herbert Wessels und Peter Kruse, von den Personalrochaden vorerst verschont. Der neue Zeitungsvorstand Mathias Döpfner, der spätestens 2002 Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlags wird, bringt mit Diekmann und Strunz im Zeitungsbereich Generationsgenossen in die Schaltzentralen - künftig regieren zumindest in der für den Verlag so wichtigen "Roten Gruppe" der Springer-Zeitungen ("Bild", "BamS") mit Diekmann und Strunz die Mittdreißiger. Auch Garms, der in den vergangenen zehn Jahren praktisch ausschließlich Magazinerfahrung gesammelt hat, ist mit seinen 42 nur wenig älter.Für Kai Diekmann ist seine Berufung auch ein persönlicher Triumph: Er war 1997 als stellvertretender "Bild"-Chef vom damaligen Vorstandschef Jürgen Richter aus dem Blatt gedrängt worden. Richter, der dem Konzern einen liberaleren Anstrich geben wollte, hatte sich vor allem an Diekmanns Nähe zu Helmut Kohl gestört. Für Udo Röbel ist der Wechsel zu "bild.de" kein Aufstieg. Zumindest hat er sich für sein neues Aufgabenfeld freie Hand ausbedungen: Diekmann hat ihm gegenüber keine Weisungsbefugnis, heißt es im Verlag. Zudem hat er die Perspektive, das sein Projekt eines Tages ausgegliedert wird - damit wäre er sein eigener Chef. Auch Franz Josef Wagner gehört zu den Verlierern, obwohl er formell im Rang eines Chefredakteurs bleibt. Er darf sich fortan im eigenen Haus seiner eigentlichen Passion widmen, dem Kolumnenschreiben - bisher kam er dieser Leidenschaft vor allem in der Zeitschrift "Max" nach.Georg Gafron war im Verlag schon mehrfach für Führungsposten im Gespräch. So gab es 1997 Gerüchte, dass der CDU-Freund und Intimus des Springer-Gesellschafters Leo Kirch die "Bild am Sonntag" übernehmen könnte. Seit längerem schreibt Gafron für "Bild", "Welt" und "Welt am Sonntag". Nun soll er das Lokalblatt "B.Z." retten, das unter Wagner heftig ins Trudeln geraten war. Zum einen ist Gafron dafür der richtige Mann. Anders als Wagner, der früher das Promi-Klatschblatt "Bunte" gemacht hatte und nie ein Gefühl für die kleine Welt des "B.Z."-Publikums entwickeln konnte, hat Gafron ein Gespür für Urberliner Themen, für Herz und Schnauze, Kiez und Currywurst. Und er ist fest verhaftet im Westberliner Politik- und Wirtschaftsfilz. Das wiederum ist auch das größte Manko seiner Berufung: Für die von Döpfner verfolgte Modernisierung des Springer-Verlages, ist Gafron der falsche Mann.Diekmann an der Macht // Kai Diekmann (36), bisher Chefredakteur der "Welt am Sonntag", wechselt in gleicher Position zu "Bild". Zudem wird er auch Herausgeber von "Bild" und "Bild am Sonntag" und ist damit künftig der wohl einflußreichste Mann in der Springer-Zeitungsgruppe. Vor seiner Zeit bei der "Welt am Sonntag" war Diekmann schon einmal bei "Bild" - als stellvertretender Chefredakteur.Georg Gafron (46) ist Gründer und Geschäftsführer des Berliner Lokalradios Hundert,6. Zudem leitet er den Fernsehsender "TV Berlin". Jetzt wird er Chef der "B. Z. " Er hat beste Kontakte zu Leo Kirch und zur CDU.Thomas Garms (42) wird Diekmanns Nachfolger bei der "Welt am Sonntag". Derzeit ist er u. a. Chef von "Men s Health". Zuvor leitete er "Fit for Fun". Den künftigen Springer-Chef Döpfner lernte er einst bei der FAZ kennen.