Wer Mitte der achtziger Jahre Kunstgeschichte studierte, erinnert sich noch gut daran, welches Aufsehen damals Robert Suckales und Dieter Kimpels Überblicksdarstellung der französischen Kathedralgotik erregte. Beide Kunsthistoriker wendeten die ganze Methodenvielfalt des Fachs auf einen Gegenstand an, der zuvor stets nur stilgeschichtlich oder in seinem Verhältnis zur neuplatonischen Theologie untersucht worden war.Robert Suckale, der heute 60 Jahre alt wird, lehrt seit 1990 Kunstgeschichte an der Berliner TU. Das kleine Institut unter ihm war ein Pilgerziel für Studenten. Suckale ist ein mitreißender Lehrer. Studenten lernen bei ihm den Respekt vor dem Original, welche Fragen man ihm vor Ort stellt und wie man Schicht und Schicht seine Bedeutungen enthüllt. Diesem Vorgehen liegt der Glaube zu Grunde, dass Stilformen nicht unbegründet sind, sondern sich auf historische, wirtschaftliche, technische, religiöse oder geisteswissenschaftliche Hintergründe zurückführen lassen.Genauso wenig, wie er methodische Grenzen kannte, schreckte er vor geografischen zurück. So hat er die europäische Kunstgeschichte, vor allem des Mittelalters und der frühen Neuzeit, weit nach Osten geöffnet. Unter anderem rief er ein ehrgeiziges Forschungsprojekt zur Kunst unter der Jagiellonendynastie im 15. und 16. Jahrhundert ins Leben, dem die maßgeblichen deutschen Museumsdirektoren leider die Unterstützung für ein großes deutsch-polnisch-tschechisches Ausstellungsvorhaben versagten.An der TU war er maßgeblich an der Einrichtung des Aufbaustudiums Denkmalpflege beteiligt, was er schon einmal in Bamberg geleistet hatte. Zudem gehört er zu den Gründervätern des Schinkel-Zentrums, und dass die Sektion Kunstgeschichte nicht abgewickelt wurde, ist auch seinem Verhandlungsgeschick zu verdanken. Dass Forschung kein elitäres Spezialistentum sein muss, bewies er 1998 mit der Darstellung der deutschen Kunstgeschichte von der Karolingerzeit bis in die Gegenwart. Souveräner lässt sich ein solches Handbuch für ein großes Publikum nicht schreiben. Die TU gibt zu Ehren Suckales, der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig den Lehrstuhl verlässt, ein Kolloquium. (sep. )Kolloquium "Stil und Funktion im Mittelalter", 1. 11. , ab 10 Uhr im Architekturgebäude der TU.TU BERLIN Robert Suckale, Kunsthistoriker