Jochen Thomas, der Mann mit den buschigen Augenbrauen und dem hintergründigen Lächeln, ist tot. Bereits am 27. April verstarb der beliebte Schauspieler und Regisseur aus dem Fernsehen und dem Maxim Gorki Theater 69jährig in Berlin, wie erst gestern bekannt wurde. Er war lange krank.Der 1925 in Kassel geborene Jochen Thomas besuchte in Leipzig die Schauspielschule. Schon als 13jähriger betrat er die Bühne, als Variete-Zauberer. Über Altenburg und Halle kam das Talent nach Berlin. Seit 1952 war das Gorki Theater Thomas' künstlerische Heimat. Allein bis 1988 stand er dort in rund 5 000 Vorstellungen auf den Brettern. Er wurde oft als proletarischer Typ besetzt - etwa als Kuddel Huck in "Die Matrosen von Cattaro" oder der Rote Jim in O'Caseys "Der Stern wird rot". Anfang der 70er Jahre führte Thomas auch selbst Regie, vorwiegend in zeitgenössischen Stücken wie Kerndls "Ich bin einem Mädchen begegnet".Im Dreigespann mit dem Autoren Alexander Kent und dem Dramaturgen Horst Angermüller inszenierte er seit 1973 fürs DDR-Fernsehen - und hier vor allem Heiteres mit Hintersinn. Und er trat immer wieder selbst vor die Kamera, wie etwa in der erfolgreichen TV-Serie "Rentner haben niemals Zeit". "Eines meiner Leitmotive ist Alexej Arbusows Wort, daß Fröhlichkeit die Basis der Gesundheit ist. Mit dem Publikum in gelöste Zwiesprache über moralische Haltungen in unserem Zusammenleben treten - das hat mich in der Arbeit fürs Theater und den Bildschirm immer am meisten interessiert", sagte Thomas einmal, wobei er nicht "über Leute feixen, sondern gemeinsam mit ihnen lachen" wollte. +++