Sicherlich war er in den Zeiten, in denen er - von 1948 bis 1976 - eine kulturelle Einrichtung in Ostberlin leitete, nicht das was man einen "Stillen im Lande" nennt, aber zweifellos gehörte er zu denen, die in ihrer Arbeit mit ihrer Persönlichkeit hinter die Sache zurücktraten, der sie sich zeitlebens verschrieben hatten. Gemeint ist Prof. Diedrich Wattenberg, der verdienstvolle langjährige Direktor der Archenhold-Sternwarte in Treptow, der (hundert Jahre nach deren Begründung und zwanzig Jahre nach seinem Abschied aus dem Amt) am 26. November in Mahlsdorf im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Gestern wurde er dort auf dem Alten Friedhof beigesetzt.An Diedrich Wattenberg zu erinnern, bedeutet, daran zu erinnern, wie ein auf eigene, nämlich auf autodidaktische Weise Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisator Gewordener seinerseits Wissenschaftler und Laien zusammenführte, wie er durch populärwissenschaftliche Vorträge im eigenen Haus, in Radio und Fernsehen, in der Urania und im Kulturbund immer neue Interessenten für den Kosmos fand, wie er Einfluß auf die Vermittlung astronomischer Kenntnisse an Schüler nahm, wie er die Welt der Sterne und der Musen mit Konzerten in der Sternwarte oder Aufträgen an Bildhauer für Porträtplastiken bedeutender Astronomen verband. Gleichzeitig diente Wattenberg mit vielen Veröffentlichungen der astronomischen Wissenschaft, vor allem der Geschichte der Astronomie.Aus der Zurückgezogenheit seines langen Lebensabends meldete sich der mit vielen Auszeichnungen Geehrte am markantesten mit der Veröffentlichung seiner Erinnerungen, die 1984 unter dem Titel "Gestirnter Himmel über mir" erschienen. Sie beschreiben nicht nur den Lebensweg des in früher Jugend von Bruno H. Bürgel zu den Sternen Geführten; vor allem interessieren sie durch den Aufweis des Gedankenaustauschs mit Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer und Max Planck, Karl Foerster und Arnold Zeig, nicht zuletzt mit Bertolt Brecht, den er noch kurz vor dessen Tod bei der Inszenierung des "Galileo Galilei" beriet. +++