Weil er sich über den Teuro ärgert, fordert der Berliner Christoph Kastius, 25, Verbraucher per E-Mail-Kettenbrief auf, am kommenden Montag in den Kaufstreik zu treten.Herr Kastius, warum wollen Sie, dass die Verbraucher einen Tag lang nichts einkaufen?Mein Ziel ist es, ein Warnzeichen für den Handel zu setzen. Bei Preisvergleichen in Supermärkten oder Gaststätten stellen wir immer noch fest, dass nicht korrekt von Mark in Euro umgerechnet wird.Glauben Sie, dass viele Leute ihrem Boykott-Aufruf folgen werden?Oh ja. Prognosen wage ich allerdings keine. Ich weiß von vielen, die mitmachen wollen - aus Berlin, Hamburg, Wismar. Auch aus Süddeutschland haben sich Leute gemeldet.Nach Angaben des Einzelhandels sind die Preise im Mai und Juni insgesamt aber gesunken.Gucken Sie doch mal in Ihr eigenes Portmonee, ob da am Monatsende noch das Gleiche drin ist, wie vor der Umstellung. Mich regt es auf, dass gerade die, die wenig Geld haben, wie Rentner und Arbeitslose, sich am Monatsende kaum noch etwas zu essen kaufen können.Verbraucherzentralen halten ihre Aktion nicht für sinnvoll, weil ein genereller Streik auch die bestraft, die kundenfreundlich sind.Die Haltung überrascht mich. In den Umfragen hat sich eine Mehrheit der Verbraucher für den Boykott ausgesprochen. Auch der Erfolg des Rundbriefs zeigt ja, dass ich einen Nerv getroffen habe.Selbst wenn viele dem Aufruf folgen, verdienen die Geschäfte nicht weniger. Die Leute decken ihren Bedarf später. Handelt es sich also nur um einen Knalleffekt?Natürlich ist die Aktion provokant. Es geht ja gerade darum, eine große Öffentlichkeit zu schaffen, damit die Händler spüren: Der Kunde hat die Macht.Wenn am nächsten Tag aber alle wieder zur Tagesordnung übergehen, besteht für die Teuro-Geschäfte doch gar kein Grund, Preise richtig umzurechnen.Der Streik ist eine deutliche Drohung. Sollten Einzelhändler und Dienstleister auch nach der Aktion weiterhin falsch umrechnen, können wir solche Kaufstreiks wiederholen und sogar auf mehrere Tage ausdehnen.Ihre Aktion sah zu Beginn selbst nicht seriös aus, weil sie die E-Mail-Aufforderung anonym versandt hatten.Ich wollte anfangs unerkannt bleiben, weil solche Kettenbriefe bei den Anbietern für Internet-Zugänge sehr unbeliebt sind, denn sie kosten sie Geld. Bei einer offenen Mail hätte ich deshalb unter Umständen meinen Zugang verloren.Wie oft hat Sie Ihr eigener Aufruf per E-Mail erreicht?Ungefähr 15-mal. Die erste dieser Mails kam schon einen Tag nachdem ich den Aufruf verschickt hab.Das Gespräch führten Claudia Fuchs und Ruprecht Hammerschmidt.