Der Aufschwung des Berliner Kunstlebens in den 90er-Jahren geschah auf Kosten des Rheinlands. Ein prägender Galerist nach dem anderen kam aus Köln nach Mitte und trug dazu bei, dass der Berliner Kunsthandel an Professionalität und Internationalität gewann. Daneben wirkte sich vor allem die Ankunft des Sammlerehepaars Erika und Rolf Hoffmann im Jahr 1997 belebend aus. Die Hemdenfabrikanten aus Mönchengladbach sammelten seit den frühen 70er-Jahren, erst hier und da, spätestens aber seit 1988, als sie ihre Fabrik verkauften und nach Köln zogen, mit ungebremster Leidenschaft. Ihre Sammlung schwankt zwischen Zero, Arte Povera, Minimal, Video, Fotografie und allerjüngsten Konzeptkünstlern. Auf eine andere Leitlinie als den eigenen Geschmack mochte sich das Ehepaar nie festlegen.Nach der Wende scheiterten die Hoffmanns mit der Vision eines Sammlermuseums, das sie als Stiftung neben dem Dresdner Zwinger errichten wollten. Stattdessen bauten sie zwischen Sophien- und Gipsstraße eine alte Fabrik zu einem lebendigen Wohn- und Kunstquartier aus. Über den Dächer bezogen sie ein 1 800 Quadratmeter großes Privatmuseum, das jedem jeden Sonnabend offen steht. Mehr noch als in Köln setzten sich die Hoffmanns für die zeitgenössische Kunst ein, der sie selber ihr Leben widmeten. Sie luden Gastkünstler in die Sophie-Gips-Höfe ein, machten ihr Wohnmuseum zum Salon des Berliner Kunstlebens und bildeten immer wieder die Brücke nach New York, ihrer zweiten Heimat.Rolf Hoffmann äußerte sich wortmächtig zur Berliner Kunstpolitik, kritisierte vor allem die mangelhafte Förderung der jungen Kunst durch die Museen. Der Kunstpreis der Nationalgalerie nach dem Vorbild des Londoner Turner Prize war seine Idee, die er mit Nachdruck in die Tat umsetzte. Am Mittwoch ist Rolf Hoffmann, wie erst jetzt bekannt wurde, mit 67 Jahren gestorben. (sep.)